Hermann Paasche

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geboren: 24. Februar 1851 Burg bei Magdeburg
gestorben: 11. April 1925 Detroit (USA)
Konfession: evangelisch
Vater: nicht ermittelt



Die Reifeprüfung legte Paasche 1870 am Gymnasium Burg ab. An der Universität Halle studierte er zunächst Landwirtschaft. Nach dem Militärdienst setzte er die Studien fort, wandte sich jedoch stärker der Volkswirtschaft, speziell der Statistik und der Philosophie zu. 1875 promovierte Paasche an der Universität Halle mit der seinem Lehrer Johannes Conrad gewidmeten Dissertation »Die Geldentwertung zu Halle a. S. in den letzten Decennien dieses Jahrhunderts – I. Teil: Die Ursachen einer Geldentwerthung und ihre bisherige Auffassung« zum Dr. phil.« Paasche erwies sich als typischer Vertreter der liberalen hallischen Volkswirtschaftschule, These 1 der Dissertation lautet: »Die freie Wirtschaft ist als die höchste Stufe der Wirtschaftssysteme zu bezeichnen«. 1877 habilitierte er sich mit der Arbeit: »Über die Entwicklung der Preise und der Rente des Immobiliarbesitzes« in der er Hausverkäufe und Mietentwicklung, aber in einer Fußnote auch die Kosten des Studiums in Halle untersuchte. Seine Antrittsvorlesung hielt er zum Thema: »Über den Staat und seine volkswirtschaftlichen Aufgaben«. 1879 erhielt er eine Professur für Staatswissenschaften an der TH Aachen, wechselte jedoch rasch nach Rostock, 1884 an die Universität Marburg und 1897 an die TH Charlottenburg. Paasche entwickelte einen volkswirtschaftlichen statistischen Index (Paasche-Index) und analysierte in mehreren Arbeiten die deutsche Zuckerindustrie. 1906 gab er seine Professur auf, um sich ganz der Politik zu widmen. Bereits von 1881 bis 1884 war Paasche als Mitglied der Liberalen Vereinigung Reichstagsabgeordneter für Rostock. Ab 1893 gehörte er als Nationalliberaler sowohl dem Reichstag, als auch dem preußischen Landtag an. Paasche spielte, wie Chistoph Nonn in der Neuen Deutschen Biographie schreibt, eine zentrale Rolle bei der Bewältigung der Krise der deutschen Zuckerwirtschaft durch einen Wechsel von protektionistischer zu marktwirtschaftlich-konsumorientierter Politik. Seit 1898 war er Mitglied des Zentralvorstandes der Nationalliberalen Partei, von 1903 bis 1909 und von 1912 bis 1918 Vizepräsident des Reichstages. Paasche war als Liberaler durchaus kämpferisch: 1908, während der Daily Telegraph-Affäre, attacktierte er den Kaiser, verlor vorübergehend den Rückhalt in der Partei und wurde nicht wieder in den preußischen Landtag gewählt. Während des Ersten Weltkrieges sprach er sich gegen den uneingeschränkten U-Boot-Krieg und für einen Verständigungsfrieden aus. Von 1921 bis 1924 war er Reichstagsabgeordneter für die DVP.

Bemerkung: Hermann Paasches Sohn Hans war Offizier in der Kolonialtruppe, nahm 1909 seinen Abschied und schloss sich der Jugendbewegung an. Er trat als radikaler Lebensreformer, Naturschützer und Pazifist hervor. Ein Hochverratsprozess endete 1918 mit der Einweisung in eine Nervenheilanstalt. Ende 1918 befreit, wirkte er nachhaltig als radikaler Publizist. 1920 wurde Hans Paasche als vermeintlicher kommunistischer Verschwörer erschossen.

Quellen: Dissertation; Habilitationsschrift; NDB Band 19; S. 734 f.