Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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(Karl) Hermann (Konrad) Burmeister

geboren: 15. Januar 1807 Stralsund (Pommern)
gestorben: 2. Mai 1892 Buenos Aires (Argentinien)
Konfession: evangelisch
Vater: Zollbeamter

(Karl) Hermann (Konrad) Burmeister

Schon früh wurde Burmeisters Begabung erkannt und gefördert. Seine Mutter, Tochter eines schwedischen Schriftstellers und Militärbeamten, ermöglichte ihm trotz des frühen Todes des Vaters den weiteren Besuch des Gymnasiums in Stralsund. Ein Lehrer begeisterte ihn für die Insektenkunde, ein anderer – gerade zum Rektor ernannt – sorgte jedoch dafür, dass der »aufmüpfige« Schüler die Abschlussprüfungen nicht bestand. Burmeister legte die Reifeprüfung also 1826 als Externer in Greifswald ab, wo er sich an der Universität für Medizin und Naturwissenschaften einschrieb. Aus Enttäuschung über den mangelhaften Unterricht in Entomologie wechselte er 1827 an die Universität Halle, wo er reichlich Anregung durch Christian Ludwig Nitzsch und andere, botanisch und paläontologisch orientierte Hochschullehrer empfing. Das Studium der Medizin vernachlässigte er dabei nicht, 1829 konnte Burmeister in der Philosophischen und der Medizinischen Fakultät promovieren (»De insectorum systemate naturali«, »Allgemeine Schilderung des Baues der Fische«). 1830 leistete Burmeister in Schlesien Militärdienst als Einjährig freiwilliger Arzt, im selben Jahr erschien sein erfolgreiches »Lehrbuch der Naturgeschichte«. Da sein Vorhaben scheiterte, als praktischer Arzt in holländischen Diensten nach Indien zu gehen, wandte sich Burmeister verstärkt der Biologie zu. Ab 1831 war er Gymnasiallehrer in Berlin, zugleich erarbeitete er ein »Handbuch der Entomologie«, das er 1855 abschloss. 1833 veröffentlichte er einen »Grundriss der Naturgeschichte«, der in neun Auflagen erschien und ins Russische übersetzt wurde. Die Bekanntschaft mit Alexander von Humboldt ebnete Burmeister den Weg an die Universität Berlin, 1834 habilitierte er sich und hielt fortan zoologische Kollegien. 1837 – nach dem Erscheinen seines »Handbuches der Naturgeschichte« – wurde er Nachfolger seines Lehrers Nitzsch. Als ordentlicher Professor für Zoologie lehrte er an der Universität Halle vor allem Entomologie ging jedoch verstärkt zu osteologischen und paläontologschen Themen über. 1840 veröffentlichte er eine Neuauflage von Nitzschs »Pterylographie«, 1843 eine »Geschichte der Schöpfung« (8. Auflage 1872). In diesem Buch lehnte Burmeister die These der Abstammung des Menschen vom Affen ab. Später näherte er sich der Darwinschen Lehre an, plädierte sogar für die Annahme gemeinsamer Vorfahren. Die Sammlungen des erst 1835 eingerichteten zoologischen Museums baute Burmeister mit großem organisatorischen Geschick und durch Einwerbung reicher Mittel rasch aus (vgl. »Verzeichnis der im zoologischen Museum der Universität Halle-Wittenberg aufgestellten Säugetiere, Vögel und Amphibien«, 1850).

1848 wurde Burmeister im Wahlkreis Liegnitz in das Preußische Herrenhaus gewählt, wo er, wie die ADB schreibt, »auf der äußersten Linken seinen Sitz nahm«. In der Frankfurter Nationalversammlung vertrat er den hallischen Demokraten Max Duncker. 1850 legte er resigniert die Mandate nieder. Durch die Unterstützung Alexander von Humboldts erhielt Burmeister Urlaub und Mittel für die von ihm seit langem geplante Tropenreise. Burmeister startete eine Expedition in die brasilianischen Provinzen Rio de Janeiro und Minas Geracs, woher er reiche Sammlungen und Aufzeichnungen mitbrachte. Die auswertende Publikation über Vögel und Säugetiere umfasste zwei Bände. Über die Ureinwohner des Landes publizierte er eine weitere Monographie. Zwei weitere Reisen führten ihn, von Halle aus, nach Italien. 1856 wurde er für eine vierjährige Reise nach Argentinien beurlaubt. Er durchwanderte die Pampas, die tropischen Nordgebiete Argentiniens und überquerte die Anden von Tucaman nach Copiapo (Chile). Die Heimreise führte ihn durch Panama und nach Kuba. Noch vor Ort verfasste er eine geologische Arbeit über das Tertiär von Parana (1858), außerdem meteorologische Studien sowie einen Bericht über das Erdbeben von Mendoza (1861). 1860/61 lehrte Burmeister erneut in Halle, 1861 nahm er das Angebot für die Direktion des argentinischen Museo publico an und schied aus dem preußischen Staatsdienst aus. Das naturhistorische Museum von Buenos Aires wurde unter seiner Leitung zu einer der bedeutendsten zoologischen Sammlungen der Welt, nicht zuletzt weil Burmeister selbst zahlreiche Expeditionen in ganz Südamerika durchführte. Unter anderem beschrieb er einige Tierarten zum ersten Mal, so eine Kolibriart (Chaetocerus burmeisteri), den Gürtelmull, verschiedene Schmarotzerkrebse und einige Walspezies (u. a. Phocoena spinipinnis). Außerdem betrieb er paläontologische Studien u. a. über das Riesengürteltier (Glyptodon). Zwischen 1875 und 1889 erschien seine Monographie über fossile Pferde. Zwischen 1876 und 1886 publizierte er eine Landesbeschreibung Argentiniens (»Description physique de la Republique Argentine«).
1870 wurde Burmeister mit der Gründung der naturwissenschaftlichen Fakultät der jungen Universität Cordoba beauftragt. Es gelang ihm, insbesondere aus Deutschland gute Nachwuchskräfte anzuwerben, aber sein, erneut sei die ADB zitiert, »Despotismus« fügte dem Unternehmen ernstlichen Schaden zu. Als er zum Direktor der Academia de ciencias ernannt wurde, kündigten mehrere der neu berufenen Hochschullehrer. 1875 legte Burmeister das Amt nieder und konzentrierte sich auf den weiteren Ausbau des Museo Publico.
Burmeister starb nach einem Unfall in seinem Museum, er war von der Leiter in eine Vitrine gestürzt. Das Mitglied zahlreicher Akademien und Gesellschaften (u. a. Leopoldina, Petersburg, Wien, Philadelphia, London und Santiago) erhielt ein Staatsbegräbnis. Der Präsident schloss sich dem Leichenzug an.

Quellen: ADB im www.; Hermann Burmeister: Ein bedeutender Naturwissenschaftler des 19. Jahrhunderts, Stralsund 1993 (»Meer und Museum«, Band 9, Schriftenreihe des Meeresmuseums Stralsund, mit Bibliographie).

Autor: HE

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