Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Anathon Aall

geboren: 15. August 1867 Nesseby (Finnmarken, Norwegen)
gestorben:9. Januar 1943 Oslo
Konfession:evangelisch
Vater:Prediger

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Anathon Aall

Aall besuchte die höhere Lateinschule in Stavanger im südwestlichen Norwegen, 1886 legte er das Abiturexamen ab. Er studierte Theologie und Philosophie an der Universität Christiania (Oslo). 1891 legte er das theologische Examen ab, seine Abschlussarbeit über das Johannesevangelium wurde vom Kronprinzen mit der Goldmedaille ausgezeichnet. Als Stipendiat der Universität Christiana ging er ins Ausland, wo er sich dem Studium der Kirchengeschichte und der Philosophie widmete. 1893 studierte er an der Universität Berlin, vor allem bei Adolf von Harnack, 1894 in Leipzig, 1894/95 in Paris. Außerdem bereiste er Rom, London und Kopenhagen. Über Jahre - angeregt durch die Beschäftigung mit dem Johannesevangelium - rang Aall mit dem Problem des Logos. In einem Lebenslauf schrieb er: »Eine nicht unwesentliche Rolle spielte hierbei das immer wachsende Bedürfnis, mir selbst darüber Rechenschaft zu geben, ob sich, in dem philosophischen Denken, ein inhaltlicher, und nicht etwa nur ein historischer Wert an den Begriff des Logos knüpft. Ich kann nicht sagen, dass in mir das Urteil hierüber schon völlig gereift sei.« Das zweibändige Werk »Der Logos« erschien 1896 und 1899, hier analysierte er vor allem die griechische Philosophie und die frühchristliche Literatur. Da dieses Werk an zentrale Glaubenssätze der offiziellen Theologie rührte, konnte Aall sich nicht an der Universität Christiania habilitieren. Band Eins des Werkes wurde jedoch von der norwegischen Universität 1886 als philosophische Dissertation anerkannt. Noch 1886 kehrte Aall nach Leipzig zurück. 1897 siedelte er nach Halle über, um sich hier philosophischen Studien, vor allem über Kant, zu widmen. Ab 1898 hielt er Vorlesungen an der Universität Christiania. 1899 ging er nach Oxford. Hier war er Mitbegründer des von Nichtakademikern besuchten College Ruskin Hall. England verließ er jedoch schon 1900, weil er dort, wie er in dem Lebenslauf schrieb, »wenig wissenschaftliche Anregung erfuhr.« In Berlin trieb er psychologische und juristische Studien, dort entstanden auch seine Schriften »Glaube – eine psychologische Analyse und wissenschaftlichen Inhaltbestimmung des Begriffs« (1901) und »Macht und Pflicht – eine natur- und rechtsphilosophische Untersuchung« (1902). 1903 promovierte an der Universität Halle mit der psychologisch-experimentellen Arbeit »Über die Wirkung der Wiederholung eines Elements bei gleichzeitiger Vorführung mehrerer Schriftzeichen«, die zugleich als Habilitationsschrift anerkannt wurde. Er setzte seine Studien bei Wundt und Krüger, den damals bedeutendsten Psychologen, in Leipzig fort. Unter anderem veröffentlichte er über den Traum und das Gedächtnis. 1908 wurde er als ordentlicher Professor nach Christiana (Oslo) berufen, wo Aall, der sein Denken als »plural-realistisch« bezeichnete, großen Einfluss auf die Philosophie und die Entwicklung der Psychologie seines Landes hatte. Vor allem forschte er zur Geschichte der Philosophie, rieb sich jedoch auch an den Gedanken der Daseinsphilosophie und Ideen, die Henrik Ibsen in seinen Dramen aufgeworfen hatte.

Quellen: UAHW, Rep. 11, PA 3825 (Aall); Ueberweg, Friedrich: Grundriss der Geschichte der Philosophie, Graz, 1953, Band 5, S. 276ff.; Werner Ziegenfuß und Gertrud Jung, Philosophenlexikon, Berlin 1949, S. 1f.

Autor: HE

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