Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Emil Abderhalden

Emil Abderhalden

geboren: 9. März 1877 Oberuzwil (Kanton St. Gallen)
gestorben: 5. August 1950 Zürich
Konfession: evangelisch
Vater: Lehrer

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Emil Abderhalden

Abderhalden studierte Medizin in Basel, 1902 promovierte er zum Dr. med. und trat in das Laboratorium des Chemie-Nobelpreisträgers Emil Fischer in Berlin ein. 1904 habilitierte er sich an der Universität Berlin für das Fach Physiologie. 1908 wurde er zum Professor und Direktor des Physiologischen Instituts an der Berliner Tierärztlichen Hochschule ernannt. 1911 folgte Abderhalden einem Ruf an die Medizinische Fakultät der Universität Halle, weitere Berufungen nach Wien (unico loco 1913), Zürich (1916) und Bern (1935) schlug er aus. Im ersten Weltkrieg wurde er vom stellvertretenden Generalkommando Magdeburg mit dem Transport von Verwundeten in Halle betraut (ausgezeichnet mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse am weißen Band und dem Verdienstkreuz für Kriegshilfe). Nach dem Krieg entfaltete Abderhalden neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit (vor allem Arbeiten zur physiologischen Chemie des Stoffwechsels) eine umfangreiche soziale Tätigkeit, die von patriotischen und eugenischen Leitlinien bestimmt war. Trotz seiner antidemokratischen und deutschfreundlichen Haltung war sein Verhältnis zum Nationalsozialismus keineswegs konfliktfrei. Sowohl als Wissenschaftler wie auch als Präsident der Akademie der Naturforscher Leopoldina (1931–1950) agierte er jedoch systemkonform. So wandte er sich ab 1936 kriegswichtigen Forschungen über Ersatzstoffe und Lebensmittel zu, für die er 1944 das Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse erhielt. Am 23. Juni 1945 wurde er mit dem nach ihm irreführend benannten »Abderhaldentransport« in die Amerikanische Besatzungszone deportiert, gelangte dann aber in die Schweiz. 1946/47 hatte er den Lehrstuhl für Physiologische Chemie an der Universität Zürich inne. Einen Ruf nach Leipzig lehnte Abderhalden im Oktober 1947 mit Rücksicht auf seine in die Schweiz nachgereiste Familie ebenso ab, wie eine Rückkehr nach Halle.

Organisationen: 1919 DDP.

Autobiographie: Zum Abschied. In: Ethik, 14. Jg., H. 6, Halle 1938, S. 3–31.

Quellen: UAHW, Rep. 6, Nr. 1407; UAHW, Rep. 11, PA 3826 (E. Abderhalden); Kaasch, Sensation; Kaasch und Kaasch, Auseinandersetzung.

Bild: Leopoldina-Archiv

Autor: HE

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