Karl Brockelmann



geboren: 17. September 1868 Rostock
gestorben: 6. Mai 1956 Halle
Konfession: evangelisch
Vater: Kaufmann



Brockelmann studierte orientalische und klassische Philologie in Rostock, Breslau und Straßburg. 1890 legte er das Staatsexamen für das Lehramt an höheren Schulen ab, von 1890 bis 1892 war er Kandidat und Hilfslehrer am Protestantischen Gymnasium in Straßburg. 1893 habilitierte er sich für semitische Philologie in Breslau, 1894/95 folgten Studienaufenthalte in London (British Museum) und den Bibliotheken Istanbuls. 1900 wirkte Brockelmann kurzzeitig als Lehrer für Arabisch in Berlin, einen Rufes nach Erlangen lehnte er ab, worauf hin er zum außerordentlichen Professor der Universität Breslau ernannt wurde. 1903 nahm Brockelmann einen Ruf auf eine ordentliche Professur der Universität Königsberg an. 1910 wechselte er nach Halle. Hier war er 1918/19 Rektor der Universität. 1922 lehnte er einen Rufes nach Bonn ab, wechselte jedoch an die Universität Berlin. Schon 1923 ging er wieder nach Breslau. Dort amtierte er ab Oktober 1932 als Rektor. Im Konflikt um den Strafrechtler Ernst Joseph Cohn stellte er sich den Angriffen der NS-Studenten entgegen. Brockelmann scheute sich nicht, Lehrveranstaltungen Cohns durch die Polizei schützen zu lassen, wodurch er selbst zum Ziel der nationalsozialistischen Studenten wurde. Erst nachdem sich der Strafrechtsprofessor politisch ungeschickt positioniert hatte ­ Cohn befürwortete für Leo Trotzki politisches Asyl in Deutschland ­ entzog ihm der laut Helmut Heiber »überdurchschnittlich mutige Rektor« die Unterstützung. Zum 1. April 1933 wurde Brockelmann des Amtes enthoben und 1935 emeritiert. 1937 siedelte Brockelmann nach Halle über, um die Bibliothek der Morgenländischen Gesellschaft nutzen zu können. 1945 wurde er zum Bibliotheksrat ernannt, um die verlorene Breslauer Pension zu kompensieren. Auf Betreiben der Professorenschaft erhielt Brockelmann 1947 in Halle einen Lehrauftrag für Turkologie. Die Gelehrten der Universität waren »stolz« darauf, diesen Gelehrten wieder in ihren Reihen zu haben, wie Aktenvermerke des Rektors und der Philosophischen Fakultät belegen. Staatliche Stellen verweigerten dem über 80jährigen jedoch einen Pass für Vortragsreisen in die Bundesrepublik. Eine sogenannte Beurteilung aus dem Jahr 1951 bescheinigt dem »typischen Fachgelehrten« eine »glanzvolle akademische Laufbahn«, sein »politisches Bewusstsein« beschränke sich jedoch »seiner bürgerlichen Herkunft und seinem Alter entsprechend«, »auf eine antifaschistische Einstellung«. Im Oktober 1951 erhielt der schon früher hochdekorierte (1912 Roter Adler-Orden II. Klasse, 1918 Ritter des Schwedischen Nordsterns, Ehrenmitglied der Royal Asiatic Society London, der Société Asiatique Paris, der American Oriental Society, der American Linguistic Society, der Arabischen Akademie Damaskus, der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft, ordentliches Mitglied der Sächischen Akademie der Wissenschaften, korrepondierendes Mitglied von Akademien in Berlin, Budapest, Göteborg und Uppsala) jedoch den Nationalpreis I. Klasse für Wissenschaft und Technik. Die Reisebeschränkungen wurden aufgehoben, er erhielt einen Einzelvertrag. Brockelmann, der als der bedeutendste Vertreter der orientalischen Philologie seiner Zeit gilt, verfasste eine fünfbändige Geschichte der arabischen Literatur, einen zweibändigen Grundriss der vergleichenden Grammatik der semitischen Sprachen, das Lexikon Syriacum, einen Mitteltürkischen Wortschatz und zahlreiche andere Werke. Seine Geschichte der islamischen Völker erschien während des Zweiten Weltkrieges in Deutschland und wurde unmittelbar nach dem Krieg in den USA veröffentlicht.

Organisationen: 1947 FDGB

Quelle: UAH PA 4949 Brockelmann, Heiber I/1, S. 115­132.