Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Benno Erdmann

Benno Erdmann

geboren: 30. Mai 1851 Guhrau bei Glogau (Schlesien)
gestorben: 7. Januar 1921 Berlin
Konfession: evangelisch-freikirchlich
Vater: freikirchlicher Prediger

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Benno Erdmann

Da der Vater früh verstarb, konnte Erdmann lediglich die Realschule besuchen, die er 1868 mit der mittleren Reife verließ, um Buchhändler zu werden. 1869 wurde er jedoch in das Gymnasium zum grauen Kloster aufgenommen, 1870 legte er die Reifeprüfung ab. Er studierte in Berlin und Heidelberg Philosophie, Mathematik und Naturwissenschaften. 1873 promovierte er an der Universität Berlin mit der Dissertation »Die Stellung des Dinges an sich in Kants Ästhetik und Analytik« zum Dr. phil. Danach war Erdmann als Lehrer tätig, u. a. 1875/76 in Seesen am Harz. Im Dezember 1876 habilitierte er sich an der Universität Berlin mit einer Schrift über die erkenntnistheoretische Bedeutung der nichteuklidischen Geometrien (»Die Axiome der Geometrie«, 1877). 1878 erhielt er eine Stelle als besoldeter außerordentlicher Professor an der Universität Kiel, 1879 wurde er zum Ordinarius ernannt. 1884 wechselte Erdmann an die Universität Breslau, 1890 nach Halle. Hier hielt er vor allem psychologische und pädagogische Vorlesungen und war Direktor der psycho-physischen Sammlung der Universität. 1898 wurde Erdmann nach Bonn versetzt, 1909 an die Universität Berlin.
Erdmann profilierte sich vor allem als Kantforscher, er versuchte Kontroversen über die Interpretation des Königsberger Philosophen durch eine historisch genaue Rekonstruktion des Kantschen Denkens zu schlichten. Dabei unterliefen Erdmann Fehler, er war auch nicht frei davon, wie die Neue Deutsche Biographie konstatiert, »eigene systematische Vorurteile in den Text hinein zu interpretieren«. Auf dem Gebiet der systematischen Philosophie galt Erdmanns Interesse vor allem der Logik, wo er u. a. gegen Husserls Postulat der unbeschränkten Gültigkeit logischer Grundsätze Stellung nahm und für ihre Zeitbezogenheit plädierte. Obwohl Erdmann Philosophie als »Wissenschaft von den Formen des psychischen Geschehens« betrachtete (1. These zur Dissertation), wirkten seine Forschungen zur Erkenntnistheorie und Psychologie trotz mehrerer Publikationen wenig nachhaltig (»Grundzüge der Reproduktionspsychologie«, 1920; »Philosophische Grundlagen von Helmholtz’ Wahrnehmungstheorie«, 1921).

Quellen: UAHW, Rep. 11, PA 5843 (B. Erdmann); Volbehr/Weyl, Kiel, S. 177; Poggendorf 1940, S. 670; NDB Band 4, S. 570 f.; Dissertation.

Autor: HE

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