Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Horst Hanson

geboren: 5. Juni 191 Lauchhammer
gestorben: 3. Juli 1978 Halle
Konfession: evangelisch
Vater: Postbeamter

Horst Hanson

Horst Hanson wurde am 5.6.1911 als Sohn eines Postverwalters in Lauchhammer geboren. Nach der Reifeprüfung begann Hanson ein Studium der Naturwissenschaften und der Mathematik an der Universität Halle-Wittenberg, wechselte jedoch rasch zur Medizin. 1934 absolvierte er die ärztliche Staatsprüfung, war dann Praktikant in Zwickau und Halle und erhielt 1935 die Approbation. Im selben Jahr promovierte er zum Dr. med. und erhielt ein Forschungsstipendium der DFG. Er war zunächst außerplanmäßiger, dann planmäßiger Assistent am Physiologischen Institut, von 1937 bis 1939 hatte er die Stelle eines Oberassistenten bei Emil Abderhalden inne. Von Januar 1939 bis zur Einberufung im März 1940 war Hanson wissenschaftlicher Mitarbeiter im Reichsgesundheitsamt, Abteilung Ernährungsphysiologie. 1941 war er Oberarzt bei der Luftwaffe, im Winter 1941/42 diente Hanson als Truppenarzt in Russland und Finnland. Im Dezember 1941 habilitierte er sich an der Universität Halle. Ab November 1942 war Hanson Sachbearbeiter für Ernährungsphysiologie und Ernährungsfragen des fliegenden Personals am luftfahrtmedizinischen Forschungsinstitut des RLM, 1945 arbeitete er für den Inspekteur für Truppenverpflegung im Oberkommando des Heeres. Die Zulassung zum Dozenten an der Universität Halle beantragte Hanson 1944. Ende Juni 1945 aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt, wurde er als Assistent am Physiologischen Institut wieder eingestellt, am 15. Dezember 1945 jedoch wegen seiner Mitgliedschaft in der NSDAP entlassen. Am 12. Januar 1946 wurde er durch den Präsidenten der Provinz Sachsen erneut eingestellt, jedoch befristet, »bis geeigneter Ersatz zur Verfügung steht.« Auch die Lehrbefugnis erhielt Hanson bald zurück, das Physiologisch-chemische Institut leitete er kommissarisch. Am 8. November 1948 ernannte die Landesregierung Hanson zum Professor mit Lehrauftrag, wenig später zum Professor mit Lehrstuhl für Physiologische Chemie sowie zum Direktor des Physiologisch-chemischen Universitätsinstitutes Halle. 1958 trat er gemeinsam mit dem Leiter der Zahnklinik, Erwin Reichenbach, und Kurt Mothes dem SED-Generalsekretär Walter Ulbricht entgegen und verwahrte sich gegen Übergriffe der SED und MfS insbesondere an der Universität Halle gegen den 1958 verbotenen Spirituskreis und die öffentlich attackierten Professoren Kurt Aland und Erich Hoffmann. Für aus politischen Gründen verfolgte Universitätsangehörige und Studierende setzte er sich ein.
Am 18. Oktober 1955 wurde er zum Leopoldina-Mitglied gewählt, von 1957 bis 1965 war er Schriftführer des Präsidiums und von 1965 bis 1978 war er Generalsekretär der Leopoldina. Diese Funktion wurde für ihn erstmalig eingerichtet. 1970 wurde er mit der Carus Medaille durch die Leopoldina ausgezeichnet.
Hanson war verheiratet und hatte zwei Kinder. Er starb am 3.7.1978 (an den Folgen eines im Mai erlittenen Herzanfalls).

Organisationen: 1933 – 45 SA, zunächst SA-Mann, dann Sanitätssturmführer, NSDAP seit 1. Mai 1937 (Mitglied Nr. 4 220 378), NSV, NSDÄB. Ab 1936 NS-Ärztebund, Opferring der NSDAP NS-Studentenkampfhilfe. 1946-48 LDPD; Mitglied der sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig und der Leopoldina.

Quellen: UAHW, Rep. 29, C Nr. 1; Auskunft aus UAHW, Rep. 11, PA 23498 (Hanson); BDC; Leopoldina-Archiv NL Abderhalden, Nr. 354; UAHW, Rep. 6, Nr. 2639.

Auswahl weiterer Literatur: Gerstengarbe, Sybilleund Horst Hennig: Opposition, Widerstand und Verfolgung an der Martin-Luther- Universität Halle-Wittenberg 1945 - 1961. Eine Dokumentation. Leipzig 2009, 210, 281, 466-469, 531-534, 542-544

Stengel, Friedemann: Die Theologischen Fakultäten in der DDR als Problem der Kirchen- und Hochschulpolitik des SED-Staates bis zu ihrer Umwandlung in Sektionen 1970/71. Leipzig 1998.

Stengel, Friedemann: Zur Kirchen- und Hochschulpolitik der SED am Beispiel der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in den fünfziger Jahren. In: Vorträge und Abhandlungen zur Wissenschaftsgeschichte 1999/2000, hrsg. von Wieland Berg, Sybille Gerstengarbe, Andreas Kleinert und Benno Parthier. Heidelberg 2000 (Acta Historica Leopoldina 36), 25-61

Autor: HE, AK

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