Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Rudolf Haym

Rudolf Haym

geboren: 5. Oktober 1821 Grünberg (Schlesien)
gestorben: 27. August 1901 St. Anton am Arlberg (Österreich)
Konfession: evangelisch
Vater: Lehrer

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Rudolf Haym

Haym besuchte die Bürgerschule in Grünberg, wo sein Vater Konrektor war. Der Vater erteilte ihm weiterführenden Unterricht, die Mutter lehrte ihn Französisch und das Klavierspiel. 1834 siedelte er nach Berlin zu wohlhabenden Verwandten seiner Mutter über und besuchte dort das Köllnische Gymnasium. Ab 1839 studierte er an der Universität Halle Theologie, semitische und klassische Philologie und Philosophie, vor allem bei dem Liberalen Arnold Ruge. Dabei begeisterte er sich vor allem für die rationalistische Theologie, gemeinsam mit anderen Studenten richtete er eine Petition an das Preußische Kultusministerium. Die Studenten baten, David Friedrich Strauß, den Verfasser des Buches »Das Leben Jesu, kritisch bearbeitet« nach Halle zu berufen. Das Ministerium forderte umgehende Bestrafung für diesen Affront, schließlich hatte Strauß das Neue Testament lediglich als Sage gelten lassen. Die Universität behandelte die disziplinarische Angelegenheit milde, Haym erhielt acht Tage Karzer. 1842 ging Haym an die Universität Berlin, um seine philologischen Studien fortzusetzen. 1843 promovierte Haym an der Universität Halle mit der Dissertation »De rerum divinarum apud Aeschylum conditione« zum Dr. phil., im selben Jahr legte er in Berlin die Prüfung für das höhere Lehramt ab. 1844 kam er als Probekandidat an das Köllnische Gymnasium, zugleich unterrichtete er an einer Handelsschule. 1845 reichte er an der Universität Halle das Gesuch um die Habilitation ein, das Kultusministerium lehnte wegen dessen demokratischer Gesinnung ab. Neben seiner Lehrertätigkeit verfasste Haym jetzt mehrere kritische religiös-philosophische Schriften (»Selbstgespräche: Ein Versuch des philosophischen Bewusstseins sich mit den populären Bewegungen der Gegenwart zu vermitteln«, 1846; »Die Krisis unserer religiösen Bewegung«, 1847; »Feuerbach und die Philosophie«, 1847) und schloss sich den »Lichtfreunden« an. Den Austritt dieser Gemeinschaft außer der Preußischen Landeskirche vollzog er jedoch nicht mit. Die Freundschaft mit dem liberalen Politiker Max Duncker bewog Haym, publizistisch für die Liberalen tätig zu werden (»Reden und Redner des ersten preußischen vereinigten Landtages«, 1847). Durch Max Duncker vermittelt, kandidierte Haym in den Mansfelder Kreisen für die Nationalversammlung und wurde gewählt. In der Nationalversammlung agierte er zurückhaltend, berichtete jedoch in einem dreibändigen Werk zeitnah über das Parlament (»Die deutsche Nationalversammlung«, 3 Bände, 1848–1850). 1849 kehrte Haym nach Berlin zurück, um die Leitung der »Constitutionellen Zeitung« zu übernehmen. Um sich abzusichern, habilitierte er sich 1850 an der Universität Halle mit der Schrift »De pulchri atque artis notione« für das Fach Philosophie, was jetzt offenbar problemlos möglich war. Die Redaktion der Zeitung wurde regelmäßig durch die Polizei schikaniert, im November 1850 wies der Polizeipräsident Haym aus Berlin aus. Er fand zunächst bei seinem Freund Wilhelm Schrader, Mitabgeordneter der Paulskirche und später Kurator der Universität Halle, Zuflucht. 1851 nahm Haym dann die Tätigkeit als Privatdozent auf. Obwohl er mehrere substantielle Schriften vorlegte (»Zur Charakteristik neupreußischer Politik« 1854, »Hegel und seine Zeit«, 1857), kam die Ernennung zum außerordentlichen Professor für deutsche Literaturgeschichte erst 1860, nach einem Personalwechsel im Ministerium zustande. Haym übernahm daher die Redaktion einer neuen politisch-literarischen Monatsschrift, die seit 1858 unter den Titel »Preußische Jahrbücher« erschien. Bedingt durch den preußisch-österreichischen Krieg 1866 wurde er wieder aktiv, am 26. April diesen Jahres gehörte er zu den Unterzeichnern einer Petition für die Bismarcksche Politik. Im Juli 1866 wurde er in das Preußische Abgeordnetenhaus gewählt. Hier schloss er sich jedoch nicht der neuen Nationalliberalen Partei an, sondern blieb in der altliberalen Fraktion. Bei den Wahlen 1867 verzichtete Haym auf eine erneute Kandidatur. 1868 wurde er zum ordentlicher Professor für deutsche Literatur ernannt, Rufe an andere Universitäten lehnte er ab. Mehrfach war Haym jetzt Dekan der Philosophischen Fakultät, 1873/74 bekleidete er das Rektorat der Universität.
Ausgewiesen war Haym für das Fach Literatur nicht nur durch Biographien zahlreicher Philosophen (u. a. »Arthur Schopenhauer«, 1864, Neudruck 1955), obwohl diese Anerkennung, wie auch heftige Ablehnung fanden. Vor allem seine Studie »Hegel und seine Zeit« (1857) rief heftigen Protest hervor, da er, wie die Universitätschronik in einem Nachruf schrieb, »die Festigkeit des grandiosen Systembaus, durch eindringliche Prüfung seiner Fundamente erschütterte«. Zum Erfolg wurden auch Hayms Buch »Die romantische Schule« (1870, 5. Auflage 1928) und seine umfangreiche Biographie Herders (»Herder: nach seinem Leben und seinen Werken dargestellt«, 2 Bände, 1877/85, Neudruck 1958).
Durch den preußischen Staat wurde Haym, der auf einer Urlaubsreise starb, mit dem Roten Adler-Orden 2. Klasse, dem Kronen-Orden 2. Klasse und der goldenen Preußischen Medaille für Wissenschaft geehrt.

Quellen: UAHW, Rep. 11, PA 7410 (Haym); Chronik 1901/02, S. 11–25.

Autor: HE

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