Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Emil Kautzsch

geboren: 4. September 1842 Plauen
gestorben: 7. Mai 1910 Halle
Konfession: evangelisch-lutherisch
Vater: Lehrer, später Pfarrer

Emil Kautzsch

Nach dem Besuch des Gymnasiums in Plauen studierte Kautzsch Theologie und Orientalistik an der Universität Leipzig. 1863 legte er das erste theologische Examen ab und promovierte zum Dr. phil. Er trat eine Stelle am Nikolaigymnasium in Leipzig an und legte 1865 das zweite theologische Examen ab. 1869 promovierte er an der Universität Leipzig mit der theologischen Dissertation »De veteris testamenti locis a Paulo Apostolo allegatis« und wurde für das Fach Altes Testament habilitiert. 1871 erhielt er den Professorentitel, 1872 wurde er auf ein Ordinariat an der Universität Basel berufen. 1879 war er Rektor der Universität. Im selben Jahr nahm Kautzsch einen Ruf auf ein Ordinariat an der Universität Tübingen an, wo er auch als Prediger an der Stiftskirche wirkte. 1888 wechselte er nach Halle. Hier war er 1898/99 Rektor. Der Hochgeehrte (Kronenorden 2. Klasse, Roter Adler-Orden 2. Klasse mit Eichenlaub) erkrankte an Diabetes und ließ sich 1908 beurlauben, um seinen schriftstellerischen Verpflichtungen nachzukommen. Er starb an einem Schlaganfall. Sein wissenschaftliches Werk war umfangreich und langfristig prägend. Zunächst veröffentlichte Kautzsch quellenkritische Arbeiten (u. a. »Die Echtheit der moabitischen Altertümer«, 1876), später zu Hiob und der Poesie im Alten Testament, speziell zum Hohen Lied Salomo. In Tübingen entstand seine Grammatik des Aramäischen, die auch ins Englische übersetzt wurde. Die durch ihn überarbeitete hebräische Grammatik von Wilhelm Gesenius erreichte von 1878 bis 1902 27 Auflagen, im 20. Jahrhundert erschienen weitere, auf Kautzschs Arbeit fußende Neuberarbeitungen. Kautzsch übersetzte auch das Alte Testament (4. Auflage 1922), als Alterswerk veröffentlichte er zwei Bände über die Apokryphen und Pseudoepigraphen des Alten Testaments (4. Auflage 1975). Aus dem Nachlass wurde eine »Biblische Theologie des Alten Testaments« (1911) herausgegeben. Kautzsch war Gründer und langjähriger Vorsitzender des deutschen Vereins zur Erforschung Palästinas, in dieser Funktion gab er die Berichte der durch Wilhelm II. unterstützten orientalischen Grabungen heraus (Tell El-Mutesellim, 2 Bände 1908).

Quellen: UAHW, Rep. 11, PA 8717 (Kautzsch); www.bautz.de.

Autor: HE

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