Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Theodor Lieser

Theodor Lieser

geboren: 30. August 1900 Ferschweiler, Regierungsbezirk Trier
gestorben: 6. August 1973 Darmstadt
Konfession: katholisch
Vater: Lehrer

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Theodor Lieser

Nach dem Besuch des Gymnasiums leistete Lieser 1918 Kriegsdienst als Kanonier. Von 1919 bis 1923 studierte er an der Universität Bonn und an der TH Aachen. 1922 legte er die Prüfung zum Diplomingenieur ab, 1924 promovierte er zum Dr.-Ing. an der TH Aachen. 1924/25 setzte er das Studium an den Universitäten Köln, Leipzig und Zürich fort. 1925/26 war er Assistent an der TH Darmstadt, 1926 promovierte er in Zürich zum Dr. phil. 1927/28 war er als Stipendiat der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft an der Universität und der TH München tätig. Von 1929 bis 1934 hatte Lieser eine planmäßige Assistentenstelle am Chemischen Institut der Universität Königsberg inne, dort habilitierte er sich 1930 für organische Chemie. Trotz politischer Denunziation von Studenten und einem ablehnenden Votum der Parteistellen erhielt er 1934 einen Lehrauftrag für die Chemie der Kohlehydrate. Auf Anregung Karl Zieglers habilitierte sich Lieser nach Halle um und erhielt hier 1937 einen Lehrauftrag. 1938 wurde er zum nichtbeamteten außerordentlichen Professor ernannt. Ein Angebot, das Labor eines kanadischen Papierherstellers zu übernehmen, lehnte Lieser ab. Seit März 1939 forschte er für die Rüstungsindustrie, etwa zu Spreng- und natürlichen Faserstoffen, Hochpolymeren und zur Herstellung von Kunstfasern. Auf Antrag des Beauftragten für Sonderfragen der chemischen Erzeugung erhielt er das Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse. Etwa ab 1942 bildete sich um Lieser ein Gesprächskreis mit etwa zwei Dutzend Mitgliedern, rückwirkend wurde er als Widerstandsorganisation (»Anti-Nationalsozialistische Bewegung ANB«) beschrieben. Im April 1945 hatte die Gruppe Anteil an der Kapitulation der Stadt Halle. Seit Februar 1945 sondierten ihre Mitglieder, wie die Selbstverwaltung der Universität nach einem verlorenen Krieg wieder in Gang gebracht werden könnte. Am 17. Mai 1945 wurde Lieser zum Oberbürgermeister ernannt, nach dem Wechsel der Besatzungsmacht geriet er in scharfe Auseinandersetzungen mit den Kommunisten über die Bodenreform und den Fortgang der Entnazifizierung. Am 22. Oktober 1945 wurde er aus dem Amt entlassen. Am 1. März 1946 ernannte ihn die Landesregierung zum ordentlichen Professor der Universität Halle und Direktor des Instituts für Technische Chemie. Rufe nach Dresden, Leipzig und hessische Universitäten lehnte er ab. Da sich Lieser den Demontagen und Plünderungen der Universitätsinstitute durch die SMA widersetzte, wurde er am 7. Juni 1946 verhaftet. Trotz der Fürsprache des Ministerpräsidenten Erhard Hübener und des Rektors Otto Eißfeldt ließen die sowjetischen Behörden von den falschen Anschuldigungen nicht ab. Am 16. Juli 1946 gelang ihm die Flucht aus dem Polizeigefängnis. Noch 1946 erhielt er eine Professur an der TH Darmstadt, später lehrte er als ordentlicher Professor an der Universität Frankfurt am Main.

Organisationen: Im Februar 1934 Eintritt in die SA, 1938 überführt in das NSKK, im April 1934 in die NSV, 1935 RLB. Aufnahme in die NSDAP am 1. Mai 1937 (Mitglied Nr. 4 861 100).

Quellen: UAHW, Rep. 11, PA 10115 (Lieser); UAHW, Rep. 6, Nr. 1407; Auskunft des Standesamtes Ferschweiler; Jacob.

Bild: UAHW

Autor: HE

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