Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Friedrich Stohmann

geboren: 25. April 1832 Bremen
gestorben: 1. November 1897 Leipzig
Konfession: evangelisch-lutherisch
Vater: Kaufmann, Fabrikbesitzer

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Friedrich Stohmann

Bereits als Schüler interessierte sich Stohmann für die Arbeitsabläufe in der väterlichen Chemiefabrik (in Neusalzwerl bei Oynhausen). Mit 16 Jahren verließ er die Schule, um eine chemisch-technische Ausbildung zu beginnen, die er jedoch bald für ungenügend hielt, so dass er sich extern auf das Abitur vorbereitete (unter anderem besuchte er das Collége évangelique zu Lille (Frankreich)). Von 1851 bis 1853 studierte er an der Universität Göttingen Chemie bei Friedrich Wöhler, danach setzte er seine Studien in London am College for Chemistry fort. Dort erhielt er eine Assistentenstelle und erwarb sich durch zahlreiche Reisen ein umfassendes Wissen über chemische Technologie. 1856 übernahm er die Fabrik des Vaters, die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft verlief jedoch nicht erfolgreich, so dass Stohmann aus dem Unternehmen ausscheiden musste. Ende 1856 trat er in das Laboratorium der Königlich Hannoverschen Landwirtschaftsgesellschaft (Celle, ab 1857 in Göttingen-Weende) ein. Hier arbeitete er an den Grundlagen der Tierernährungslehre mit. 1857 promovierte Stohmann an der Universität Göttingen mit der Dissertation »Die Hilfsdüngemittel« zum Dr. phil. 1862 nahm er einen Ruf nach Braunschweig an und gründete hier eine landwirtschaftliche Versuchsstation. 1865 wechselte er nach München, wo ihm der Aufbau einer Versuchsstation übertragen worden war. Doch noch im selben Jahr nahm er einen Ruf als Professor für Agrikulturchemie an die Universität Halle an, zugleich übernahm er die Leitung der von Salzmünde nach Halle verlegten landwirtschaftlichen Versuchsstation. Stohmann empfand die Praxisorientierung des hallischen Landwirtschaftsinstituts zunehmend als beschränkend und wechselte 1871 an die Universität Leipzig. Hier gründete er ein landwirtschaftlich-physiologisches Institut, dass ausschließlich der Grundlagenforschung dienen sollte. Obwohl nur kurze Zeit mit praktischen Fragen befasst, leistete Stohmann wichtige Beiträge zu Fragen der Düngung, zur Methodik der Bodenuntersuchung und zu Pflanzenernährung, außerdem zur rationellen Fütterung der Wiederkäuer. Er verfasste mehrere technologische Handbücher über die Zucker- und Stärkefabrikation und initiierte die von seinen Mitarbeitern vollendete »Enzyklopädie der technischen Chemie«. In Leipzig befasste er sich vor allem mit experimentellen Untersuchungen zum tierischen Stoffwechsel. Das Ehrenmitglied zahlreicher Landwirtschaftsgesellschaften und der sächsischen Akademie der Wissenschaften starb während einer Influenzaepidemie.

Quellen: Leopoldina-Archiv MM 2984 (Stohmann); Böhm; ADB Band 54, S. 543 ff.; Dissertation.

Autor: HE

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