Johann Veit


geboren: 17. Juni 1852 Berlin
gestorben: 2. Juni 1917 bei Schierke im Harz
Konfession: evangelisch
Vater: Sanitätsrat



Als Leipziger Student der Medizin nahm Veit 1870/71 am Krieg gegen Frankreich teil. Er war bei mehreren Gefechten und bei der Belagerung von Paris als Sanitäter bzw. Arzt eingesetzt. Seine Studien beendete er in Berlin, 1874 promovierte er an der Universität Berlin mit einer chirurgischen Arbeit über die Extirpation des Schulterblattes zum Dr. med. Bis 1879 war er Assistenzarzt an der Königlichen Frauenklinik und habilitierte sich für das Fach Gynäkologie und Geburtshilfe. Danach baute er eine ausgedehnte spezialärztliche Praxis auf, verfolgte aber weiterhin wissenschaftliche Interessen. 1893 wurde Veit zum außerordentlichen Professor ernannt und 1896 an die Universität Leiden (Niederlande) berufen. Studienreisen führten ihn nach Frankfurt am Main, wo er bei Paul Ehrlich serologisch-biologische Arbeitsmethoden erlernte. 1902 nahm er einen Ruf nach Erlangen, 1904 den nach Halle an. Hier wirkte er mehrfach als Dekan der Medizinischen Fakultät und 1911/12 als Rektor. 1912 erlitt er einen Herzschlag. 1914 übernahm Veit, obwohl 1890 aus der Landwehr ausgeschieden erneut militärische Verpflichtungen als Mitglied der Lazarettkommission Halle (1916 ausgezeichnet mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse am weißen Band). Er starb bei einer Wanderung zum Brocken an einem Herzschlag, einem »schönen Tod«, wie die Universitätschronik vermerkte. Veit, den die Zeitgenossen vor allem als Forscher schätzten, publizierte zur Anatomie der Vagina, dem Krebs der Gebärmutter, zur Eileiterschwangerschaft und allgemein zur Anatomie des Beckens. Als sein eigentliches Verdienst gilt die Adaption der Erkenntnisse der Immunitätsforschung in der gynäkologischen Praxis. Veit war Mitautor und -herausgeber des Handbuches der Gynäkologie (1896–1899); gemeinsam mit Robert Olshausen veröffentlichte er ein Lehrbuch der Geburtshilfe, 1911 erschien sein Handbuch für die Behandlung von Frauenkrankheiten in der Praxis. Aufsehen erregten Veits Erfolge in der Krebsbehandlung mit Radium. Er engagierte sich auch bei der Ausbildung von Hebammen und Krankenschwestern für die Kolonien und die diakonischen Krankenhäuser im vorderen Orient. Die preußische Regierung zeichnete ihn mit dem Roten Adler-Orden 4. Klasse und dem Kronen-Orden 3. Klasse aus. Außerdem erhielt er das Ritterkreuz I. Klasse des Hausordens Albrechts des Bären für ärztliche Bemühungen um die anhaltinische herzogliche Familie.

Bemerkung: Als Sterbeort wird auch ein Waldweg bei Bad Sachsa im Harz genannt.

Quellen: UAH PA 16396 Veit; Chronik 1926, S. 9; Walter Stoeckel, Johann Veit†, in: Zentralblatt für Gynäkologie 27 (1917).