Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Walther Ahrens

geboren: 31. März 1910 Teupitz (Kreis Teltow)
gestorben: 8. Juli 1981 Dresden
Konfession: evangelisch
Vater: Chefarzt, Landesanstaltsdirektor

Walther Ahrens

Ab 1919 besuchte Ahrens das Gymnasium Sorau (Reifeprüfung 1930). Er studierte Medizin in Göttingen, Erlangen, Innsbruck, Göttingen, Breslau und Halle. 1936 legte er in Halle ärztliche Prüfung ab und absolvierte Praktika in Berlin und Oranienburg. Nach der Approbation trat er 1937 eine Stelle als Volontärassistent auf der allgemeinen Station der Leipziger Universitätsklinik an. 1938 wechselte er als Hilfsassistent an das Untersuchungsamt des Hygienischen Instituts der Universität Halle. 1939 promovierte Ahrens mit der Dissertation »Untersuchungen mit der Trockenblutprobe nach Chediak zur Luesdiagnostik und ihre Bedeutung gegenüber anderen Syphilisreaktionen« und wurde als Assistent im Untersuchungsamt angestellt. 1940 absolvierte er eine militärische Grundausbildung und wurde zum Gefreiten befördert, kurze Zeit leiste er Kriegsdienst in der Sanitätsersatzabteilung Leipzig. Noch 1940 wurde er uk. gestellt, weil da alle anderen Ärzte des Instituts eingezogen waren. Ab 1942 diente er als Oberzugführer der Luftschutz-Sanitätsbereitschaft Halle-Nord und bereitete seine Habilitation vor. Obwohl Ahrens während des Zweiten Weltkrieges eine Schnelldiagnose für Fleckfieber entwickelte (unter zu Hilfenahme von Trockenblut), war er nicht in die Forschungsnetzwerke von SS und Wehrmacht eingebunden und beteiligte sich nicht an ethisch fragwürdigen oder verbrecherischen Humanexperimenten. Im Dezember 1945 wurde er formal entlassen, jedoch auf Befehl der Sowjetischen Militäradministration weiterbeschäftigt. (Im Untersuchungsamt waren täglich zu analysieren: Diphtherieproben ca. 4-500, Typhus, Tbc. usw. ca. 800–1000, Wassermann ca. 200, dazu kamen Wasseruntersuchungen für die SMA). 1946 habilitierte sich Ahrens mit der Schrift »Serodiagnostische Schnellmethoden zur Krankheitsdiagnose« für die Fächer Bakteriologie und Hygiene. Als Vertretung für den 74 Jahre alten Paul Schmidt übernahm er die Hauptkollegs und Praktika für Medizinstudenten. 1947 folgte die Beförderung zum Oberassistenten, 1948 die Ernennung zum Dozenten und 1951 die zum Professor mit Lehrauftrag (Einzelvertrag 1952). 1952 wurde Ahrens als Professor mit Lehrstuhl für Hygiene an die TH Dresden berufen. Hier leitete er das Institut für Hygiene und Mikrobiologie. Seit 1954 lehrte (nebenamtlich) er Hygiene, Mikrobiologie und Epidemiologie an der Medizinischen Akademie Dresden. Von 1969 bis 1975 war er Ordinarius für Medizinische Mikrobiologie und Epidemiologie an der Medizinischen Akademie Dresden.

Ahrens entwickelte mehrere Diagnosemethoden für epidemische Erkrankungen und verbesserte ihre Erregernachweise. Unter anderem plädierte er für die Verwendung von Milchzucker als Nährboden (in Form von Zentrifugenschlamm aus Molkereien). Außerdem entwickelte ein Tuberkulose-Desinfektionsmittel und überwachte in verschiedenen Industriebetrieben (u. a. Leuna-Werke) die Herstellungsbedingungen für sensible chemische Präparate.

Organisationen: 1933–1935 NS-Fliegerkorps, 1941 NSDAP und NSV; 1945 LDP, 1950 FDGB

Bemerkung: Ahrens Vater, der Psychiater Wilhelm Ahrens war Direktor der Landesanstalt Neuruppin und stemmte sich gegen den, wie es in einem Pressebericht hieß, »nationalsozialistischen Ansturm« auf die von ihm geleitete »marxistische Festung«. Im November 1933 wurde er entlassen und siedelte nach Halle über. Vgl. Dietmar Schulze, Die Landesanstalt Neuruppin in der NS-Zeit, Berlin 2004, S. 30–35.

Quellen: UAHW, Rep. 11, PA 3863 (Ahrens); UAHW, Rep. 29 Nr. 548; Kürschner, Petschel, Professoren der TU Dresden, S. 37 f.

Autor: HE

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