Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Theodor Brugsch

geboren: 11. Oktober 1878 Graz
gestorben: 11. Juli 1963 Berlin (Ost)
Konfession: evangelisch
Vater: Ägyptologe, Universitätsprofessor

Theodor Brugsch

Nach dem Reifezeugnis, studierte Brugsch von 1898 bis 1903 Medizin an der Universität Berlin, legte dort 1902 das Staatsexamen ab und wurde 1903 in Leipzig promoviert. Von 1903 bis 1905 war er Sekundärarzt am Krankenhaus Altona, 1905 wurde er Assistent bei Friedrich Kraus an der II. Medizinischen Klinik der Berliner Charité, habilitierte sich 1909 und erhielt 1911 den Professorentitel. Von 1912 bis 1917 war er Oberarzt an der II. Medizinischen Klinik der Berliner Charité, von 1914 bis 1916 leistete er Kriegsdienst als beratender Internist beim Gardekorps, von 1917 bis 1919 war er Internist (Dienstgrad: Stabsarzt) der 9. Armee in Rumänien (ausgezeichnet unter anderem mit dem Eisernen Kreuz I. und II. Klasse). Ab 1919 arbeitete Brugsch wieder an der Charité. 1926 scheiterte eine Berufung nach Prag, 1927 wurde er gegen das Votum der Medizinischen Fakultät zum Ordinarius in Halle berufen und als Leiter der medizinischen Universitätsklinik eingesetzt. 1935 wegen seiner jüdischen Ehefrau, die er in einem Fragebogen nicht angegeben hatte, beurlaubt, wurde Brugsch 1936 aufgrund des § 6 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums in den Ruhestand versetzt. Trotz Scheidung wurde er nicht wieder eingesetzt. Von 1935 bis 1945 betrieb er eine Privatpraxis in Berlin, im Februar 1945 wurde er im Zusammenhang mit der Verfolgungswelle nach dem 20. Juli 1944 kurzzeitig inhaftiert und von der Gestapo verhört. 1945 an die Universität Berlin berufen, war er bis zur Emeritierung 1957 Ordinarius für Innere Medizin und Direktor der I. Medizinischen Klinik der Berliner Charité. Von 1946 bis 1949 war Brugsch Vizepräsident der Deutschen Zentralverwaltung für Volksbildung, prägte in dieser Funktion maßgeblich die Gesundheitspolitik der SBZ und hatte erheblichen Einfluss auf die personelle Erneuerung bzw. Nicht-Erneuerung der Hochschulmedizin. 1946 war er Mitbegründer des Clubs der Kulturschaffenden, 1947 Gründer und Präsident der Sozialhilfe Groß-Berlin, 1948/49 Mitglied des Deutschen Volksrates, 1949 des Nationalrates, von 1949 bis 1954 Abgeordneter der Volkskammer. 1957 wurde er zum Vizepräsidenten, 1963 zum Ehrenpräsidenten des Kulturbundes ernannt.

Autobiographie: Arzt seit fünf Jahrzehnten, 1957

Organisationen: NSKK, NSV, Förderndes Mitglied der SS.

Quellen: UAHW, Rep. 11, PA 4999 (Brugsch); UAHW, Rep. 6, Nr. 1407; Wer war wer in der DDR.

Literatur: Sybille Gerstengarbe, Theodor Brugsch, in: Friedemann Stengel (Hg.), Ausgeschlossen. Zum Gedenken an die 1933-1945 entlassenen Hochschullehrer der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Halle 2013, S. 59-63.

Bild: Leopoldina-Archiv

Autor: HE

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