Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Ernst Bumm

geboren: 15. April 1858 Würzburg
gestorben: 2. Januar 1925 München
Konfession:katholisch
Vater: Taubstummenlehrer

Ernst Bumm

Bumm studierte Medizin an der Universität Würzburg und promovierte 1880 zum Dr. med. und habilitierte sich 1885 mit der Studie »Mikroorganismus der gonorrhoischen Schleimhauterkrankungen ›Gonococcus Neisser‹« für das Fach Geburtshilfe und Gynäkologie. Gemeinsam mit dem Chirurgen und Orthopäden Albert Hoffa richtete er in Würzburg eine Privatklinik ein. Sehr bald anerkannt wurde seine Pionierarbeit für das Fach Gynäkologie, als erster unternahm er auf diesem Gebiet bakteriologische Studien (Habilitationsschrift sowie: »Zur Ätiologie der septischen Peritonitis«, 1889). 1894 nahm er den Ruf auf eine ordentliche Professur an der Universität Basel an, 1899 war er Rektor der Universität (Festrede: »Das Problem des Lebens im Lichte der Naturwissenschaften des XIX. Jahrhunderts«). 1900 wechselte er aus der Schweiz ins preußische Halle, um 1904 an die Universität Berlin zu gehen. Dort war er zunächst an der Charité tätig, 1910 übernahm er als Nachfolger Robert Olshausens die Leitung der Universitätsfrauenklinik. Als akademischer Lehrer war Bumm außerordentlich erfolgreich, hohe Stückzahlen erreichte sein Lehrbuch »Grundriss zum Studium der Geburtshilfe« (1902, 15. Auflage 1922). Seine Forschungen waren der Eklampsie, Uteruskarzinomen und Erkrankungen der Harnwege gewidmet, die weibliche Gonorrhoe und das Puerperalfieber deutete er korrekt als bakteriologische Erkrankungen. Ziel seines Wirkens war, wie er in seiner Antrittsrede als Rektor der Universität Berlin darlegte, die Senkung der enorm hohen Kindersterblichkeit in Deutschland. Medizinische Maßnahmen müssten jedoch auch von sozialpolitischen begleitet werden, meinte Bumm, und forderte die Verbesserung der Lebensverhältnisse der armen und mittleren Bevölkerungsklassen. Rassenhygienische Forderungen, wie etwa das »Ausschalten der Schädlinge, welche grobe körperliche oder geistige Defekte auf ihre unglückliche Nachkommenschaft vererben« lehnte er wegen der damit verbundenen Eingriffe in die persönliche Freiheit und mit dem Hinweis auf die geringen Kenntnisse über die Vererbungsmöglichkeiten ab. Die Gesellschaft insgesamt müsse sich verändern, so Bumms Forderung, um die zur Stärkung der Nation und Erhöhung des Wohlstandes notwendige Steigerung der Geburtenzahlen zu erreichen. Aus diesem Grund stand er auch den explosionsartig wachsenden Studentinnenzahlen ablehnend gegenüber, wie er einer Universitätsrede über das Frauenstudium (1917) darlegte. Zwar wies er auf die unbestrittene geistige Leistungsfähigkeit des weiblichen Geschlechts hin, beschrieb die Mutterrolle der Frau jedoch als »höchsten Dienst« an Familie und Staat. Außerdem sei die Frage, »ob sich nicht viele Frauen in anderen und der weiblichen Natur angemesseneren Berufen«, als den akademischen, »glücklicher« betätigen könnten. Insbesondere für sein Fach Geburtshilfe schloss er die Eignung der Frau aus, denn »physisch und psychisch« seien Ärztinnen einer Tätigkeit, »wo es in einer Viertelstunde um Leben und Tod zweier Menschen gehen kann, nicht gewachsen.«

Quellen: Universitätsreden (1916, 1917); Schriften; Isidor Fischer, 1962, S. 200; NDB, Band 3, S. 16.

Autor: HE

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