Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Carl Clemen

geboren: 30. März 1865 Sommerfeld bei Leipzig
gestorben: 8. Juli 1940 Bonn
Konfession: evangelisch
Vater: Universitätsprofessor

Carl Clemen

Clemen besuchte Bürgerschule und Progymnasium, danach die Fürstenschule in Grimma. Er studierte an den Universitäten Leipzig, Tübingen, Halle und Berlin Theologie, Philosophie und Geschichte. 1887 gewann er den ersten Preis bei einer Preisaufgabe der Theologischen Fakultät zur Lebens- und Regierungsgeschichte Davids. Gelobt wurde sein quellenkritisches Herangehens, bemängelt die zahlreichen »Germanismen« und »Barbarismen« im lateinischen Text. 1889 promovierte er zum Dr. phil., danach absolvierte er den kirchlichen Vorbereitungsdienst. 1892 promovierte er an der Universität Halle mit der Dissertation »Prolegomena zur Chronologie der Paulinischen Briefe« zum Lic. theol. und wurde für das Fach Neues Testament habilitiert. 1893 veröffentlichte Clemen dann eine umfangreiche Chronologie der Briefe des Apostels. Nach der Veröffentlichung einer Studie zur Lehre von der Sünde erhielt Clemen 1897 den Professorentitel. 1903 wurde Clemen auf ein Extraordinariat an der Universität Bonn berufen. 1910 wechselte er von der Evangelisch-Theologischen Fakultät in die Philosophische Fakultät, wo er als nichtbeamteter außerordentlicher Professor einen Lehrauftrag für Religionsgeschichte, Religionsphilosophie und Geschichte des älteren Christentums erhielt. Während des Ersten Weltkrieges diente Clemen als Vizefeldwebel in der Landwehr. 1920 wurde Clemen zum ordentlichen Professor der Religionsgeschichte und zum Direktor des neugegründeten Religionswissenschaftlichen Seminars ernannt. In Bonn entstanden seit 1904 zahlreiche Studien zur Religionsgeschichte, mit denen er das engere Gebiet der Theologie verließ. Zwar veröffentlichte er auch weiterhin zu theologischen Themen (»Paulus«, 2 Bände 1904; »Schleiermachers Glaubenslehre« 1905; »Zur Reform der praktischen Theologie« 1907) und Werke wie »Die Entwicklung der christlichen Religion innerhalb des Neuen Testament« (1908) oder eine Neuauflage seines Buches »Das Problem der Sünde« (1936). Im Zentrum seiner Forschungen standen jedoch die nichtchristlichen Religionen des Mittelmeerraumes (»Die Abhängigkeit des älteren Christentums von nichtjüdischen Religionen und philosophischen Systemen zusammenfassend untersucht«, 1909, 2. Auflage 1924, englisch 1912; »Dunkle Stellen in der Offenbarung Johannes religionsgeschichtlich erklärt«, 1937). Er untersuchte die griechischen und römischen Vorstellungen über das Leben nach dem Tod, außerdem japanische und chinesischen Religionen, den Hinduismus und Islam, außerdem den Volksglauben und Mysterien. 1927 gab er das 4-bändige Werk »Die Religionen der Erde« heraus. 1926 publizierte er eine Religionsgeschichte Europas bis zum Untergang der nichtchristlichen Religionen, 1934 eine altgermanische Religionsgeschichte. Clemen mischte sich auch in die Debatten der NS-Zeit ein (»Waren die Externsteine ein germanisches Heiligtum?«, 1936). Sein Alterswerk war eine Rekonstruktion der phönikischen Religiosität (»Die phönikische Religion nach Philo von Byblos«, 1939). Außerdem gab er die Fontes historiae religionum ex auctoribus graecis et latinis collecti heraus (sieben Teile 1920 bis 1939).

Organisationen: DVP

Quellen: UAHW, Rep. 27, Nr. 851; Höpfner; www.bautz.de; NDB Band 3, S. 280.

Autor: HE

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