Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Gustav Doetsch

geboren: 29. November 1892 Köln
gestorben: 9. Juni 1977 Freiburg im Breisgau
Konfession: katholisch, später ohne
Vater: Prokurist einer Versicherungsgesellschaft

Gustav Doetsch

Die Reifeprüfung legte Doetsch 1911 am Wöhler-Realgymnasium in Frankfurt am Main ab. Er studierte an den Universitäten Göttingen, München, Berlin und Frankfurt am Main Mathematik, Physik, Versicherungswissenschaften und Philosophie. Von 1914 bis 1918 leistete er Kriegsdienst in der Infanterie, Artillerie sowie als Pionier und Flieger (befördert zum Leutnant, ausgezeichnet mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse). 1919 legte er in Göttingen das Staatsexamen für reine und angewandte Mathematik sowie Physik, außerdem das Diplomexamen für Versicherungsmathematik ab. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde er Assistent für darstellende Geometrie und praktische Mathematik an der TH Hannover. In Göttingen promovierte er 1920 mit der Dissertation »Eine neue Verallgemeinerung der Borelschen Summabilitätstheorie der divergenten Reihen. 1921 habilitierte er sich an der TH Hannover. 1922 erhielt Doetsch einen Lehrauftrag für angewandte Mathematik an der Universität Halle, die Philosophische Fakultät hielt seine Forschungen über Wahrscheinlichkeitsrechnung für wertvoll – auch weil Doetsch anbot Versicherungsmathematik zu lesen. Seine Antrittsvorlesung hielt er 1922 über den »Sinn der angewandten Mathematik«. 1924 wurde er als Ordinarius für darstellende Geometrie an die TH Stuttgart berufen. 1931 erhielt er eine ordentliche Professur für Mathematik an der Universität Freiburg. Während des Zweiten Weltkrieges war Doetsch Offizier, ab Sommer 1940 koordinierte er im Auftrag des Reichsluftfahrtministeriums die mathematische Kriegsforschung. Ab Ende 1944 war er am Institut für theoretische Ballistik der Luftfahrtforschungsanstalt in Braunschweig tätig. 1945 wurde er auf Grund des Vorwurfs entlassen, mehrfach Kollegen denunziert zu haben, die ihm den Hitler-Gruß verweigerten. 1950 hielt er Gastvorlesungen in Argentinien, 1952 in Madrid, 1953 in Rom. 1951 setzte das Baden-Württembergische Kultusministerium gegen den Willen der Universität wieder in sein Amt ein. 1961 wurde er emeritiert. Als Mathematiker war Doetsch kompetent: Mit Nachdruck wies er auf die Anwendbarkeit der Laplace-Tranformation in Physik und Technik hin, zwischen 1950 und 1956 veröffentlichte er das dreibändige Werk »Die zweidimensionale Laplace-Transformation«.

Organisationen: 1926 bis 1930 Mitglied der deutschen Friedensgesellschaft

Quellen: Lexikon bedeutender Mathematiker, S. 129; Catalogus Professorum – Der Lehrkörper der Technischen Hochschule Hannover 1831–1956, Hannover 1956, S. 14; BA R 4901/13282; Klee, Personenlexikon, S. 115.

Autor: HE

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