Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Hermann Dold

geboren: 5. Oktober 1882 Stuttgart
gestorben: 31. Oktober 1962 Freiburg im Breisgau
Konfession: evangelisch
Vater: Lehrer

Hermann Dold

Die Reifeprüfung legte Dold 1900 am Karlsgymnasium in Stuttgart ab. Er studierte Medizin und Naturwissenschaften in Tübingen, Berlin und wieder Tübingen. 1906 promovierte er an der Universität Tübingen mit der Dissertation "Über die Wirkung des Äthylalkohols und verwandter Alkohole auf das isolierte Froschherz". zum Dr. med. Danach arbeitete er als Chirurg am Marienhospital in Stuttgart, 1907/08 im pathologischen Institut der Universität Tübingen. 1908 ging Dold nach London, um dort eine Stelle als Harben Demonstrator of Bacteriology and comparative Pathology am Royal Institute of Public Health anzutreten. 1910 wechselte er als wissenschaftlicher Mitarbeiter nach Berlin an das Kaiserliche Gesundheitsamt. 1912 habilitierte sich Dold an der Universität Straßburg für die Fächer Hygiene und Bakteriologie mit einer Arbeit über das »Bakterienanaphylatoxin und seine Bedeutung für die Infektion«. 1913 veröffentlichte er ein Buch im Verlag der Guttempler »Tuberkolose und Alkoholismus«. 1914 nahm Dold eine Dozentenstelle an der Deutschen Medizinschule in Shanghai an, in dieser Zeit entstanden Arbeiten über die Pest und die in den Tropen häufige Erkrankung Spru. 1914 trat er als Reservist in das III. seebataillon Tsingtau ein und wurde zum Marineunterarzt befördert. 1914 geriet Dold, nach dem Fall der deutschen Kolonie, in Kriegsgefangenschaft. Später verfasste er zahlreiche Abschnitte des Handbuches für Tropenkrankheiten (erste Auflage 1922). Von Shanghai aus bereiste Dold große Teile Chinas, Russlands und Japans. In Abwesenheit wurde ihm der deutsche Professorentitel zuerkannt. 1919 repatriiert, erhielt Dold an der Universität Halle einen Lehrauftrag für Sozialhygiene. 1920 wurde er Mitglied des Staatsinstitutes für experimentelle Therapie in Frankfurt am Main. 1921 nahm er das Angebot an, wissenschaftlicher Betriebsleiter der Behring-Werke zu werden und habilitierte sich an die Universität Marburg um. 1924 wurde er Direktor des Behringinstitutes. Hier entwickelte er zahlreiche Tests, etwa einen Nachweis der Tuberkolose per Harnprobe und eine Syphilis-Testreaktion. 1926 erschien sein Lehrbuch für Bakteriologie, die Universität Marburg ernannte ihn zum außerordentlichen Professor. 1927 erhielt Dold eine Abteilungsleiterstelle im Reichsgesundheitsamt, zugleich lehrte er an der Universität Berlin. 1928 berief ihn die Universität Kiel zum ordentlichen Professor, 1934 wechselte er nach Tübingen, 1936 nach Freiburg auf das Ordinariat für Hygiene und Mikrobiologie. Hier befasste er sich vor allem mit dem Gebiet der antibakteriellen Hemm- und Wandlungsstoffe. Außerdem war er Mitherausgeber der Zeitschrift für Hygiene und Infektionskrankheiten. An der Universität Freiburg hatte Dold während des zweiten Weltkrieges das Amt des Dekans der medizinischen Fakultät inne. Im Dezember 1944 ordnete er die Vernichtung allen »politischen« Aktenmaterials an. Nicht ohne Grund, denn von den Menschenversuchen in Konzentrationslagern muss Dold gewusst haben: 1943 bewertete er die Dissertation des KZ-Arztes von Buchenwald, Waldemar Hoven, mit der Note »sehr gut«. Hoven hatte die Behandlung von Lungentuberkulose mit Kohlenstaub an Häftlingen untersucht. Im Zuge der »Épuration«, der französischen Variante der Entnazifizierung, wurde Dold wegen seiner Zugehörigkeit zu verschiedenen Parteigliederungen mit einer Gehaltskürzung von 25 Prozent bestraft, durfte jedoch weiter lehren. Er wurde 1952 emeritiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Dold Gönner (und Teilhaber) der rechtsextremistischen Zeitschrift »Nation Europa«.

Organisationen: 1925 bis 1927 Mitglied der DVP; 1933 Eintritt in die NSDAP (Mitglied Nr. 2 733 428)

Quellen: Kürschner 1940, 1950, 1954; Klee, Auschwitz, S. 41; Eduard Seidler, Die Medizinische Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau, Berlin u. a. 1991, S. 381, 460; Leopoldina-Archiv MM 4619 Dold. R 4901/13261, Fischer/Voswinckel, S.330

Autor: HE

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