Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Ernst Dorn

geboren: 27. Juli 1848 Guttstadt (Ostpreußen)
gestorben: 13. Juni 1916 Halle
Konfession: evangelisch-reformiert
Vater: nicht ermittelt

Ernst Dorn

Die Eltern zogen 1856 nach Königsberg um, dort besuchte Dorn das Kniephöfersche Gymnasium (Reifeprüfung 1865). Er studierte Mathematik, Physik, Philosophie und Französisch an der Universität Königsberg, die Prüfung für das höhere Lehramt legte er 1869 ab. Das pädagogisches Probejahr absolvierte er am Kniephöferschen Gymnasium und an einer Bürgerschule in Berlin. 1871 erhielt Dorn eine Hilfslehrerstelle am Königlichen Wilhelmsgymnasium Berlin und promovierte an der Universität Königsberg mit der mathematischen Dissertation »Über eine Transformation zweiter Ordnung, welche das elliptische Integral mit imaginärem Modul auf ein ultraelliptisches mit reellen Moduln reduziert« zum Dr. phil. 1873 habilitierte er sich an der Universität Greifswald für die Fächer Mathematik und Physik, noch im selben Jahr wurde er als außerordentlicher Professor für Physik an die Universität Breslau berufen. 1881 nahm er den Ruf auf ein Ordinariat an der TH Darmstadt an, 1885 wechselte er als Nachfolger Anton Oberbecks nach Halle. Ab 1895 war er hier Leiter des physikalischen Instituts. Dorn befasste sich mit Röntgenstrahlen und Radioaktivität (u. a. »Experimentelle Atomistik«, 1915) sowie mit der Untersuchung von flüssigen Kristallen. 1900 entdeckte Dorn das Element Radon, als erster brachte er die Emission von Alpha-Strahlen mit der Existenz eines bestimmten, noch nicht beschriebenen, chemischen Elementes in Verbindung. Besondere Verdienste erwarb sich Dorn bei der genaueren Bestimmung scheinbar feststehender Größen, etwa der erdmagnetischen Kraft und des Ohm. 1893 unterbreitete er Vorschläge zur Neufassung der gesetzlichen Bestimmungen über elektrische Maßeinheiten (in: »Zeitschrift für Instrumentenkunde«). Dorns Untersuchungen zur atmosphärischen Elektrizität, für die er hochsensible Apparaturen entwickelte, brachten ihm in der öffentlichen Meinung in den Ruf eines Fortschrittsverhinderers und Querulanten ein: Er wollte den Bau der elektrischen Straßenbahn verhindern, da er Störung seiner Messungen befürchtete. Der Hochgeehrte (Roter Adler-Orden 4. Klasse, Kronen-Orden 3. Klasse, Ritterkreuz I. Klasse des Bayerischen Verdienstordens von heiligen Michael) verstarb an einem Gehirnschlag.

Quellen: UAHW, Rep. 11, PA 5508 (Dorn); DBE; Dissertation.

Autor: HE

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