Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Gustaf Droysen

geboren: 10. April 1838 Berlin
gestorben: 10. November 1908 Halle
Konfession: evangelisch-lutherisch
Vater: Universitätsprofessor Johann Gustav Droysen

Gustaf Droysen

Droysen besuchte Schulen in Kiel und Jena, wohin sein Vater berufen worden war, die Reifeprüfung legte er am Gymnasium in Altenburg (Thüringen) ab. Er studierte in Jena, Berlin und Göttingen Rechtswissenschaften, Geschichte und Nationalökonomie u. a. bei sein Vater, Ranke, Waitz und Helferich. 1862 promovierte er an der Universität Göttingen mit der Dissertation »Albrechts I. Bemühungen um die Nachfolge im Reich« zum Dr. phil. Er setzte seine Studien in Jena fort, publizierte ein umstrittenes Werk über die Zerstörung Magdeburgs im 30jährigen Krieg und habilitierte sich 1864 an der Universität Halle mit der Schrift »Arlanibaeus. Godofredus. Abelinus. Sive scriptorum de Gustavi Adolphi expeditione princeps«. In folgenden Jahren erschienen von ihm zahlreiche weitere Studien zum 30jährigen Krieg, mit denen Droysen die Ursachen der politischen Geschichte untersuchte, getreu seinem Programm das er in zwei Thesen seiner Habilitationsschrift umrissen hatte: »Historicus politicus esse debet.«, »Historia universalis est historia idearum non rerum gestarum«. Mit seiner dreibändigen Biographie des Schwedenkönigs Gustaf Adolf (1868–1870) revidierte Droysen die gängige Vorstellung vom selbstlosen, dem Protestantismus verpflichteten Glaubenskrieger und analysierte die machtpolitischen Konstellationen im frühen 17. Jahrhundert. Inzwischen (1869) wurde Droysen auf ein besoldetes Extraordinariat an der Universität Göttingen berufen, 1872 wurde er ordentlicher Professor in Halle. Einen Ruf an die Universität Breslau lehnte Droysen 1890 ab. 1885 erschien seine Biographie des zweiten großen protestantischen Heerführers des Dreißigjährigen Krieges Bernhard von Weimar. Dieses Werk war weniger spektakulär in seiner Wirkung auf die deutsche Gesellschaft, bot aber eine detaillierte Militärgeschichte der Feldzüge und Schlachten. Außerdem legte er einen Katalog der Flug- und Propagandaschriften des 17. Jahrhunderts an. Eine Gesamtdarstellung des Dreißigjährigen Krieges blieb Fragment, da Droysens Verlag dieses Buch von einem anderen Autor schreiben ließ. Doch ohnehin hatte sich Droysens Schwerpunkt auf die Lehre verlagert. Er ließ Arbeitsmaterialien und Vorlesungsskripte zur preußischen Geschichte drucken und gab damit als einer der ersten Historiker Studenten und künftigen Lehrern nutzbare Überblicksdarstellungen in die Hand. 1874 begründete er eine Buchreihe für »Abhandlungen zur neueren Geschichte«, in denen vor allem Arbeiten seiner Schüler erschienen. Die wohl nachhaltigste Unternehmung Droysens war 1886 die Initiierung des historischen Handatlasses, dem bis heute unentbehrlichen didaktischen Mittel zur Veranschaulichung geschichtlicher Prozesse. Ab 1884 verwaltete Droysen die Kunstsammlungen der Universität und baute – trotz geringer Mittel – das Kupferstichkabinett zu einer veritablen Sammlung aus. Er hielt auch Vorlesungen zur Kunstgeschichte und publizierte über die Kunst der Renaissance und des Barock. Droysen ging damit nun seiner eigentlichen Neigung nach. Ursprünglich hatte er bildender Künstler werden wollen, dann Kunsthistoriker. Beide Wege verbaute ihm der Vater, den ersten wegen Befürchtungen ob des ausreichenden Talents, den zweiten deshalb, weil die Kunstgeschichte als akademische Disziplin noch nicht etabliert war und der Vater sich um die gesicherte Zukunft des Sohnes sorgte. Gustaf Droysen schrieb auch populäre Beiträge für Zeitschriften und Almanache, unter Pseudonym veröffentlichte er literarische Arbeiten. Im Alter erforschte er die Lebensgeschichte seines Vaters und legte umfangreiche Sammlungen zur Revolution von 1848 an. Veröffentlicht wurde das Material von Rudolf Hübner, seinem Neffen. Gustaf Droysen erkrankte 1906 an einem unheilbaren Ohrenleiden und wurde 1908 emeritiert.

Quellen: UAHW, Rep. 11, PA 5567 (Droysen); Weber, Biographisches Lexikon zur Geschichtswissenschaft, S. 112; Habilitationsschrift; Mitteldeutsche Lebensbilder 3 (1928), S. 481–496.

Autor: HE

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