Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Hermann Ebbinghaus

geboren: 23. Januar 1850 Barmen
gestorben: 26. Februar 1909 Halle
Konfession:evangelisch
Vater: Kaufmann

Hermann Ebbinghaus

Ebbinghaus studierte von 1867 bis 1870 Geschichte, Philologie und Philosophie an den Universitäten Bonn, Halle und Berlin. Er nahm am Feldzug gegen Frankreich teil, nach Bonn zurückgekehrt, promovierte er 1873 an der Universität Bonn mit der Dissertation »Über die Hartmannsche Philosophie des Unbewussten« zum Dr. phil. Die folgenden Jahre verbrachte er mit philosophischen und naturwissenschaftlichen Privatstudien, teilweise in Frankreich und England. Ebbinghaus wandte sich jetzt der experimentellen Psychologie zu und habilitierte sich 1880 an der Universität Berlin. 1886 wurde er zum besoldeten außerordentlichen Professor ernannt. 1894 berief ihn die Universität Breslau zum ordentlichen Professor, 1905 wechselte er an die Universität Halle und wurde Leiter der psycho-physischen Sammlung. Ebbinghaus erschloss der Psychologie durch experimentelle Methoden Felder, die ihr bislang verschlossen waren. Er begründete die experimentelle und Lernpsychologie und entwickelte noch heute gebräuchliche Intelligenz- und Eignungsprüfungsverfahren. Sein Hauptwerk »Über das Gedächtnis: Untersuchungen zur experimentellen Psychologie« (1885, englisch 1913, Neuauflage 1983) verknüpfte Messmethoden mit der Assoziationspsychologie. Bei der Analyse der Wahrnehmung von Lichtempfindungen und Helligkeitskontrasten bediente er sich medizinisch-physiologischer Methoden (u. a. Veröffentlichung in Pflügers Archiv 1889). Ab 1890 gab Ebbinghaus die »Zeitschrift für Psychologie und Physiologie der Sinnesorgane« heraus. Sein Werk »Grundzüge der Psychologie« blieb Fragment. Vom ersten Band (1907) erschienen immer wieder Neubearbeitungen (4. Auflage 1919), Band 2 wurde in ergänzter Fassung postum veröffentlicht. Weite Verbreitung fand sein »Abriss der Psychologie« (1907, 9. Auflage 1932). Ebbinghaus animierte seine Schüler zu eigenständigem Arbeiten und unterband so die Bildung einer wissenschaftlichen Schule. Zugleich verteidigte er experimentelle Methoden und damit die Eigenständigkeit der Psychologie gegenüber der Philosophie.
Ebbinghaus starb nach kurzem schweren Leiden, wie es in der Traueranzeige der Universität heißt.

Quellen: UAHW, Rep. 11, PA 5606 (Ebbinghaus); NDB, Band 4, S. 216 f.

Autor: HE

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