Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Horst Ebschbach

geboren: 24. März 1924 Leipzig
gestorben: 4. Oktober 1977
Konfession: ohne
Vater: Maschinenformer

Horst Ebschbach

Nach dem Besuch der 8-klassigen Volksschule absolvierte Ebschbach eine Lehre zum Werkzeugdreher. 1941 legte er in Leipzig die Facharbeiterprüfung ab. Ab 1942 leiste er Kriegsdienst als Soldat in einem Infanterieregiment und geriet im September 1943 im Donezbecken in sowjetische Gefangenschaft. Danach war er als Waldarbeiter im Lager 123 tätig. Im Januar 1944 trat er in dem Nationalkomitee Freies Deutschland (NKFD) bei und wirkte ab Mai 1944 im Lager als Propagandist. Von April 1945 bis Oktober 1945 besuchte er die Antifaschule 165, von November bis Juni 1946 die Antifaschule 20/40 in Krasnogorsk. Seit August 1946 wieder in Deutschland, war er de facto als Dreher in einem Maschinenbaubetrieb der SMA in Leipzig angestellt, jedoch quasi-hauptamtlich Stadtbezirksjugendleiter in Leipzig-West. Auf Grund seines pädagogischen Talents stellte ihn der SED-Kreisvorstand im Oktober als Lehrer ein, die Prüfung als Parteischullehrer legte Ebschbach 1948 ab. 1948/49 leitete er die SED-Parteischule der Polizei in Leipzig. Den Lehrgang an der Parteihochschule des ZK der SED musste er allerdings wegen einer Tuberkulose-Erkrankung Ende 1949 abbrechen, wodurch ihm eine Karriere als Parteifunktionär verbaut blieb. Nach der Genesung wirkte Ebschbach als Dozent für Gegenwartskunde an der Arbeiter-und-Bauern-Fakultät (ABF) der Universität Leipzig. Unter anderem entwickelte er einen Lehrplan für das Fach Marxismus-Leninismus, der von den sächsischen ABF übernommen wurde. 1951 wurde er zum Direktor der Arbeiter- und Bauernfakultät der Universität Leipzig ernannt, 1952 war er kurzzeitig Direktor der ABF in Dresden. Im Januar 1953 wechselte Ebschbach als Hauptreferent für den Studenteneinsatz in der Sowjetunion in das Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten der DDR, der Übertritt in den diplomatischen Dienst scheiterte, wie es in der Personalakte heißt, aus »familiären Gründen«. Ab Juni 1953 war Ebschbach dann Direktor der ABF I »Walter Ulbricht« der Universität Halle, zugleich Senatsmitglied und Mitglied der Parteileitung der Universität. An der ABF gelang es ihm, wie eine Beurteilung der MLU-Kaderabteilung vermerkt, gemeinsam mit anderen Parteimitgliedern »Sozialdemokratismus und Versöhnlertum auszuschalten«. Als Anerkennung erhielt er eine Urkunde und eine Geldprämie in der Höhe eines Monatsgehaltes (600 Mark). 1959 wurde er zum Dozenten für Politische Ökonomie ernannt und dem Institut für Gesellschaftswissenschaften in der Philosophischen Fakultät zugeordnet. Vorwiegend lehrte er Politische Ökonomie des Sozialismus im Rahmen des Marxistisch-leninistischen Grundstudiums der Mediziner. Bereits Ende 1959 folgte die Ernennung zum Prorektor für Studienangelegenheiten der Martin-Luther-Universität, außerdem war Ebschbach Sekretär der Senatskommission führ Lehrerbildung (bis 1967) und Leiter der Fachkommission für Politische Ökonomie (bis 1972). Im August 1962 ließ sich Ebschbach mit der Absicht zu promovieren vom Amt des Prorektors entbinden. Zunächst legte er eine Diplomarbeit zum Thema »Politisch-ideologische Erziehung der Studenten« vor, aus der er ein 27-seitiges FDJ-Schulungsheft mit dem Titel »Das ökonomische System und seine Durchsetzung als Ganzes bei der Gestaltung des entwickelten gesellschaftlichen Systems des Sozialismus« destillierte (in der Reihe: Programm für marxistisch-lenistische Kolloquien, hrsg. von der Abteilung Propaganda im Zentralrat der FDJ). Außerdem schrieb er an einem weiteren Schulungsbrief der FDJ mit, was Anlass für eine Gehaltserhöhung war. 1976 reichte Ebschbach, inzwischen Dozent am der Sektion Marxistisch-Leninistische Philosophie, seine Dissertation A mit dem Titel »Die Entstehung und Entwicklung der Marxschen Akkumulationstheorie in den Jahren 1843 bis 1858« vor und wurde zum Dr. phil. promoviert. Ausgezeichnet wurde Ebschbach, der an Säuberungen der Studentenschaft und des Lehrkörpers, mithin an der Formierung der Martin-Luther-Universität zur sozialistischen Hochschule beteiligt war, u. a. mit der Verdienstmedaille der DDR, der Pestalozzi-Medaille in Silber, der Theodor-Neubauer-Medaille in Silber sowie einer Ehrenurkunde des ZK der SED.

Organisationen: vor 1945 ohne; 1946 Eintritt in SED, FDJ und FDGB, 1949 DSF, 1954 Kulturbund; 1958 bis 1963 Mitglied des Bezirkstages Halle, Leiter der Bezirkssektion Nationale und internationale Fragen der Urania

Quellen: UAHW, Rep. 11, PA 24783 und 22473 (Ebschbach); Schriften.

Autor: HE

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