Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Karl Elze

geboren: 22. Mai 1821 Dessau
gestorben: 21. Januar 1889 Halle
Konfession: evangelisch
Vater: Pfarrer und Seminardirektor

Karl Elze

Elze besuchte das Gymnasium in Dessau, ab 1839 studierte er an den Universitäten Leipzig und Berlin klassische Philologie. 1843 promovierte er an der Universität Leipzig zum Dr. phil. Danach war er am Gymnasium Dessau als Lehrer tätig. Elzes erste gedruckte Schrift nahm die seines akademischen Lehrers August Boekh auf und versuchte sie in einigen Punkten zu ergänzen und zu berichtigen, insbesondere stellte er die (»Über die Philologie als System: Ein andeutender Versuch«, 1845). Neben seiner Lehrtätigkeit engagierte sich Elze politisch. Er war lange Jahre Mitglied des Dessauischen Landtages und legte 1848 eine programmatische Schrift zur Konstitution des Herzogtums vor (»Bemerkungen zum Entwurf der Verfassungsurkunde für das Herzogtum Anhalt-Dessau«). In ihr lobte Elze das Staatsministerium weil es sich nicht der aktuellen »Rückwärtserei« angeschlossen habe, plädierte jedoch für ein streng rechtsstaatliches Verfahren beim notwendigen gesellschaftlichen Umbau. Er wehrte sich gegen Gedanken, dem Parlament lediglich beratende Funktion zuzugestehen und forderte Lehrfreiheit ein. Zugleich wollte er aber auch im Rahmen einer konstitutionellen Verfassung die Rechte des Herzogs gewahrt wissen und protestierte gegen die »Benachteiligung der Krone«. Auch Religionsfreiheit sollte ohne staatlichen Kontrollen gewährt werden, religiöse Orden sollten jedoch nicht geduldet würden, denn dann kämen »die Jesuiten von Köthen herüber«. (Ein gültiges Papier wurde vom Landtag erst 1852 vorgelegt, 1859 trat die konstitutionelle Verfassung in Kraft.) Elzes Karriere verlief, wohl wegen seiner liberal-demokratischen Anschauungen, schleppend: 1856 wurde zum Oberlehrer, 1862 zum Gymnasialprofessor ernannt. Mehrere Reisen führten ihn nach England, wo ein Schulfreund an der Universität Oxford wirkte. 1875 wurde Elze auf die neu geschaffene außerordentliche Professur für englische Sprache und Literatur an der Universität Halle berufen und im folgenden Jahr zum Ordinarius befördert. Diese Stelle hatte er bis zu seinem Tod inne, war jedoch ab 1886 mehrfach krankheitshalber beurlaubt.
Als Anglist beschritt Elze neue Wege und formte so die im Entstehen begriffene Wissenschaft maßgeblich mit. Er verdeutschte zahlreiche Werke der englischen Poesie, analysierte Texte (Konjekturalkritik) und befasste sich als Literaturhistoriker mit der elisabethanischen Epoche und der Romantik (»Walter Scott«, 1864; »Byron«, 1870, englisch 1872; »Notes on Elisabethan Dramatists«, 3 Bände 1880–1886). In der Kulturkunde öffnete er den Blick auf das Schrifttum Nordamerikas (»Nach Westen«, 1860). Sein eigentliches Thema war jedoch Leben und Werk William Shakespeares. Elze veröffentlichte die erste deutsche wissenschaftliche Shakespeare Biographie (1876, englisch 1888) und Essays über den Dichter (»Essays on Shakespeare«, 1874, deutsch 1876). Außerdem gab er bis 1879 das Organ der Shakespeare-Gesellschaft heraus.
Als Hochschullehrer las er Geschichte der englischen Literatur, englische Grammatik, Syntax und Metrik sowie Laut- und Formenlehre. In Privatvorlesungen und -collegien widmete er sich Shakespeare und dessen Vorgängern. Als Überblicksdarstellung für Studenten publizierte er einen »Grundriss der englischen Philologie« (1887, 2. Auflage 1889). An der Universität gründete er das Seminar für englische Philologie.
Elzes Wirken war zunächst in England anerkannt. Die Royal Society of Literature ernannte den Gymnasiallehrer zum Ehrenmitglied, der Universitätsprofessor erhielt den Dr. jur. h.c. der Universität Edinburgh. Preußen verlieh Elze den Roten Adler Orden 4. Klasse.

Quellen: UAHW, Rep. 11, PA 5782 (Elze); NDB Band 4, S. 472 f.; Chronik 1888/89, S. 17–22.

Autor: HE

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