Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Bild für rechte Spalte: Reitersiegel-Binärcode

Andor (Andreas) Fodor

geboren: 3. März 1884 Budapest
gestorben: 31. Dezember 1968 New York
Konfession: mosaisch
Vater: Kaufmann

Andor (Andreas) Fodor

Fodor besuchte die Elementarschule der evangelischen Gemeinde Budapest, dann die Staatsoberrealschule. Im Alter von 14 Jahren bezog er die Handelsakademie in Graz, mit dem Ziel später an der Handelshochschule in Wien zu studieren. In Graz wurde er jedoch durch einen Lehrer für das Fach Chemie begeistert. Er nahm also Privatunterricht, um das Maturitätszeugnis der Landesoberrealschule abzulegen, in Budapest musste er Nachprüfungen in ungarischer Sprache und Geschichte bestehen, um für die Hochschule zugelassen zu werden. Fodor verbrachte jedoch nur zwei Semester an der TH seiner Heimatstadt, dann wechselte er an das Polytechnikum in Zürich. Dort legte er 1903 die Prüfung zum Diplomchemiker ab und erhielt eine Assistentenstelle. 1909 promovierte er in Zürich mit einer Arbeit über die alkalische Verseifung von Cellulosenitrat und Traubenzuckernitrat zum Dr. phil. In Zürich begann er, sich mit biochemischen Fragen zu beschäftigen, wechselte dann an die Universität Stockholm und 1911 nach Halle. Hier erhielt er bei Emil Abderhalden am Physiologischen Institut eine Assistentenstelle. Ab 1912 war er planmäßiger Assistent. 1919 gab Fodor die ungarische Staatsbürgerschaft auf und habilitierte sich für das Fach physiologische Chemie. Seine Antrittsvorlesung hielt er über »Die Bedeutung naturwissenschaftlicher Lehren in der Physiologie«. Die Medizinische Fakultät erbat 1921 für ihn den Professorentitel, da die Umstände – ein möglicher Wechsel Abderhaldens nach Berlin und der Krieg – die Habilitation verzögert hätten: »Es liegt also hier der Fall vor, dass durch außergewöhnliche Umstände ein ganz hervorragender Forscher und Lehrer zurückgesetzt wurde.« Fodor erhielt den Titel eines außerordentlichen Professors noch 1921. 1923 folgte er der Einladung Chaim Weizmanns, an der Universität Jerusalem ein chemisches Institut aufzubauen. Den Lehrstuhl für Biochemie und Kolloidchemie hatte er 28 Jahre inne. Er war erster Dekan der naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität. Fodor forschte weiterhin über Eiweißstrukturen und die Wirkung von Enzymen (»Dispersoidchemie«, 1925; »Das Fermentproblem«, 1929).

Quellen: UAHW, Rep. 11, PA 6137 (Fodor); Dissertation; Encyclopaedia Judaica; Fischer/Voswinckel, S. 429.

Autor: HE

Zum Seitenanfang