Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Reinhard Frank

geboren: 16. August 1860 Reddinghausen bei Hatzfeld (Hessen-Nassau)
gestorben: 21. März 1934 München
Konfession: evangelisch
Vater: Hammerbesitzer

Reinhard Frank

Obwohl er vom Vater zum Kaufmann bestimmt wurde, erhielt Frank als Kind Lateinunterricht, ab 1871 besuchte er das Realprogymnasium in Biedenkopf, später die Realschule in Groß-Umstadt im Odenwald. Da Frank studieren wollte, trat er in das Gymnasium Marburg ein und legte 1879 die Reifeprüfung ab. Entgegen dem Wunsch des Vaters begann er mit dem Studium der Philologie und der Mathematik an der Universität Marburg, wechselte jedoch bald zur Rechtswissenschaft. 1880 leistete er Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger in einem Jägerbataillon, ohne später die Reserveoffizierslaufbahn einzuschlagen. Das Jurastudium setzte er in München und Kiel fort, 1883 legte er die erste Staatsprüfung ab. Das Referendariat absolvierte Frank in Battenberg und Marburg (wo er mit Franz von Liszt bekannt wurde), Hanau und Göttingen. Er promovierte 1886 in Marburg mit einer Dissertation über Christian Wolffs Einfluss auf das natürliche Strafrecht des Regnerus Engelhard (erweiterte Fassung 1887 unter dem Titel »Die Wolffsche Strafrechtsphilosophie und ihr Verhältnis zur kriminalpolitischen Aufklärung des 18. Jahrhunderts«) und trat eine Stelle am Amtsgericht Kassel an. 1887 habilitierte er sich an der Universität Marburg für die Fächer Strafrecht und Zivilprozessrecht, außerdem las er Kirchenrecht. Nach dem Tod des Vaters konzentrierte sich Frank jedoch zunächst auf die Weiterführung des nun ihm gehörenden Eisenhammers, erst 1913 brachte er ihn in das Familienunternehmen, die Frank’schen Eisenwerke ein. 1890 nahm er den Ruf auf eine ordentliche Professur für Strafrecht und Zivilprozessrecht an der Universität Gießen an. Frank profilierte sich rasch durch verschiedene Schriften zum Straf- und Kirchenrecht, wenig Anerkennung fand allerdings sein Plädoyer für die Anerkennung des Naturrechts (»Die neueren Disziplinargesetze der deutschen evangelischen Landeskirchen«, 1890; »Naturrecht, geschichtliches Recht und soziales Recht«, 1891). Aus der Lehre resultierten Franks erfolgreiche kommentierte Ausgabe des Strafgesetzes und eine Sammlung von Strafrechtsfällen (»Strafrechtliche Fälle für Übungen an Universitäten und bei Justizbehörden«, 1897, 9. Auflage 1933; »Das Strafrecht für das Deutsche Reich« (1897, 18. Auflage 1931). 1899 wurde Frank als Nachfolger von Liszts auf den Lehrstuhl für Strafrecht an der Universität Halle berufen. 1902 wechselte er an die Universität Tübingen. Im selben Jahr wurde er in das vom Reichsjustizamt gebildete Strafrechtskomitee berufen und bearbeitete in der sechzehnbändigen »Vergleichenden Darstellung des deutschen und ausländischen Strafrechts« im besonderen Teil den Abschnitt über Erpressung und Raub. Für den allgemeinen Teil behandelte er die Lehre von Vollendung und Versuch. Da ihn der schließlich von Praktikern ausgearbeitete Entwurf nicht befriedigte, beteiligte er sich an der Ausarbeitung eines Alternativentwurfs. Außerdem gab er einen jährlichen »Pitaval der Gegenwart« mit heraus (8 Bände, ab 1904). Einen Ruf an die Universität Straßburg lehnte Frank 1913 ab, den nach München nahm er jedoch 1914 an. 1920 war er Rektor der Universität. Während des Ersten Weltkrieges wandte sich Frank verstärkt dem Völkerrecht zu, so rechtfertigte er die Verletzung der Neutralität Belgiens (»Die belgische Neutralität: Ihre Entstehung, ihre Bedeutung und ihr Untergang«, 1915, auch englisch), publizierte zum Seekriegsrecht und nach dem Friedensschluss über die Stellung des Saarlandes. Gemeinsam mit dem Historiker Felix Rachfahl erstattete er 1919 ein – ablehnendes – Gutachten über die Auslieferung Kaiser Wilhelm II. Seine politische Einstellung beschrieb er rückschauend als demokratisch, liberal und »politisch links«, bis ihn »die Revolution mit ihren vaterlandslosen Untertönen stark nach rechts geschoben« habe.

Quellen: Reinhard Frank, in: Hans Planitz, Die Rechtswissenschaft der Gegenwart in Selbstdarstellungen, Leipzig 1929; Schriften; DBE, Band 3; S. 403.

Autor: HE

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