Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Bild für rechte Spalte: Reitersiegel-Binärcode

Adhémar Gelb

geboren: 18. November 1887 Moskau
gestorben: 7. August 1936 Schömberg bei Calw
Konfession: evangelisch-lutherisch
Vater: Direktor einer Versicherungsgesellschaft

Adhémar Gelb

Nach dem Besuch des Peter-und-Paul-Gymnasiums in Moskau begann Gelb 1906 ein Studium der Philosophie in München. Von 1909 bis 1912 war er als Volontärassistent am Psychologischen Institut der Universität Berlin tätig, hier promovierte er 1910 zum Dr. phil. Ab 1912 war er Assistent am Psychologischen Institut der Akademie für Sozialwissenschaften in Frankfurt am Main. Während des Krieges war Gelb wissenschaftlich und praktisch psychologisch im Frankfurter Hirnverletzten-Lazarett tätig. 1919 habilitierte er sich an der Universität Frankfurt für Philosophie und Psychologie und erhielt eine planmäßige Assistentenstelle. 1924 erhielt er den Titel eines außerordentlichen Professors. 1929 wurde er Direktor des Frankfurter Psychologischen Instituts. Da er jedoch weiterhin nur als Assistent besoldet wurde, nahm er 1931 einen Ruf nach Halle an, wo er persönlicher Ordinarius für Philosophie und Direktor des Psychologischen Seminars wurde. 1933 wurde auf Grund seiner jüdischen Herkunft entlassen, erhielt jedoch ein Rockefellerstipendium und emigrierte in die Niederlande. Einen Ruf an die Universität Stockholm konnte Gelb 1934 wegen einer Tuberkoloseerkrankung nicht wahrnehmen. 1935 hielt er Gastvorträge an der Universität Lund. Wegen der Erkrankung musste sich Gelb in ein Sanatorium begeben, den Aufenthalt finanzierten Herbert Koch, Paul Friedländer, Richard Laqueur, Erich Klostermann und Alexander Stieda. Im Sanatorium Schömberg hatte Gelb, so formulierte es sein Freund Herbert Koch am 8. September 1947, »unter Taktlosigkeiten und Provokationen nazistischer Mitpatienten schwer zu leiden, so dass er nicht im Sanatorium bleiben [konnte], sondern in das benachbarte Dorf ziehen musste.« Obwohl ihm die Ärzte den Beistand nicht verweigerten, starb Gelb nach wenigen Monaten. Wenig später tötete sich sein Sohn selbst.

Organisationen: -

Quellen: UAHW, Rep. 11, PA 6557 (Gelb); UAHW, Rep. 4, Nr. 2090; NDB 6, S. 168f.

Bild: UAHW

Autor: HE

Zum Seitenanfang