Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Werner Gerlach

geboren: 4. September 1894 Wiesbaden
gestorben: 31. August 1961 Kempten (Allgäu)
Konfession: evangelisch
Vater: Arzt, Hygieniker

Werner Gerlach

Nach dem Besuch des humanistischen Gymnasiums in seiner Heimatstadt leistete Gerlach 1910 das erste Diensthalbjahr als  Freiwilliger Arzt ab. Er studierte Medizin in Tübingen und München. Während des Ersten Weltkrieges war er in der Krankentransportabteilung der 6. Armee und in verschiedenen Sanitätskompanien an der Westfront eingesetzt (ausgezeichnet mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse), wo er auch verwundet wurde. 1917 legte er bei einem Fronturlaub die Staatsprüfung ab und promovierte zum Dr. med. Von 1917 bis 1919 war Gerlach Arzt bei der Militärmission in der Türkei (ausgezeichnet mit dem Eisernen Halbmond). Nach der Entlassung aus dem Heeresdienst volontierte er in Dresdner Krankenhäusern. 1920 wurde er Assistent im Pathologischen Institut Wiesbaden. Ende 1920 erhielt er eine Assistentenstelle am Pathologischen Institut der Universität Jena, ab 1921 war er Prosektor. Mit seinem Mentor Rössle ging Gerlach in die Schweiz und arbeitete von 1922 bis 1924 als Prosektor an der Universität Basel. 1923 habilitierte er sich für das Fach Pathologie mit einer Antrittsvorlesung über "Den heutigen Stand der Krebsfrage". Ab 1924 war er Leitender Oberarzt und Prosektor am Krankenhaus Hamburg-Barmbeck. 1928 wurde er auf den Lehrstuhl für Pathologie an der Universität Halle berufen. Als wissenschaftliche Verdienste Gerlachs nannte die Medizinische Fakultät seine Forschungen über Geschwülste, physiologische Studien und Arbeiten zur Genetik. Besonders wertvoll seien seine Studien über Entzündungen und das embryonale Bindegewebe. Gerlach baute mit umfangreichen Berufungsmitteln das Pathologische Institut um. Wegen seines »hervorragenden Lehrtalents« wurde sein Wechsel in die Schweiz (Nachfolge Rössle) 1930 bedauert. In Basel wurde Gerlach 1936 auf Grund »disziplinarwidriger nationalsozialistischer Betätigung« entlassen. Das Appellationsgericht Basel verfügte die Wiedereinstellung - zu Unrecht, gehörte Gerlach doch nach eigener – späterer – Aussage zu dem »Stoßtrupp«, der die »Einverleibung der deutschen Schweiz in das Reich« vorbereitete. 1937 kam Gerlach nach Deutschland und trat in den persönlichen Stab des Reichsführers SS, Heinrich Himmler, ein. Durch das Reichswissenschaftsministerium wurde er 1937 auf den Lehrstuhl für Allgemeine Pathologie und Pathologische Anatomie an der Universität Jena berufen. Wenig später amtierte er als Dekan der Medizinischen Fakultät. Nach der sogenannten Reichskristallnacht denunzierte Gerlach Kollegen, die jüdische Patienten behandelt hatten beim Sicherheitsdienst der SS. Als Pathologe war Gerlach auch für das Konzentrationslager Buchenwald tätig. Im April 1939 wurde Gerlach zum deutschen Generalkonsul in Island ernannt, wo er sich nebenamtlich mit rassenbiologischen Untersuchungen befasste. Nach der Besetzung Islands durch die Alliierten kurzfristig in England interniert, 1941 folgte der Austausch gegen den von den Deutschen aufgegriffenen englischen Diplomaten Sir Lancelot Oliphant.  Wieder zurück in Deutschland war Gerlach – mittlerweile SS-Brigadeführer – im Auftrag des Auswärtigen Amtes in Prag und Paris tätig. Von 1945 bis 1948 interniert, eröffnete Gerlach 1949 in Kempten ein privates pathologisches Institut. Nachrufe rühmten Gerlachs Verdienste um die Einführung der Spektralanalyse in die Medizin (»Die chemische Emissions-Spektralanalyse 2. Teil: Anwendung in der Medizin«, 1933, englisch 1934).

Organisationen: Mitglied der NSDAP, Ortsgruppe Basel (Schweiz), zum 1. April 1937 als Hauptsturmführer Aufnahme in die SS, zuletzt Brigadeführer.

Auszeichnungen: 1917 kgl. (bayerischer) Militärverdienstorden 4. Klasse, 1918 Abzeichen für Verwundete in Schwarz, Eiserner Halbmond, Eisernes Kreuz 1. Klasse, 1935 Ehrenkreuz für Frontkämpfer, 1939 Silbernes Treuedienst-Ehrenzeichen, 1939 und 1942 Ernennung zum Generalkonsul, 1944 Kriegsverdienstkreuz 1. Klasse, 1945 Kriegverdienstkreuz 1. Klasse mit Schwertern

Quellen: UAHW, Rep. 11, PA 6609 (Gerlach); BA R 4901/13263; Kürschner; Christine Pieper, Die Sozialstruktur der Chefärzte des Allgemeinen Krankenhauses Hamburg-Barmbek 1913 bis 1945: Ein Beitrag zur kollektivbiographischen Forschung, Hamburg 2003, S. 195; Uwe Hoßfeld u.a. (Hg.), „Kämpferische Wissenschaft". Studien zur Universität Jena im Nationalsozialismus, Köln 2003, S. 417; Susanne Zimmermann, Die Medizinische Fakultät der Universität Jena während der Zeit des Nationalsozialismus, Berlin 2000, S. 47, 178; Fischer/Voswinckel, S. 499 f.;

Autor: HE

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