Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Richard Gosche

geboren: 4. Juni 1824 Neundorf bei Crossen an der Oder (Brandenburg)
gestorben: 29. Oktober 1889 Halle
Konfession: evangelisch
Vater: Pfarrer

Richard Gosche

Vom Vater wurde Gosche auf den Besuch des Gymnasiums vorbereitet. 1838 zog er zum Großvater, einem Handwerker, nach Leipzig, um die Nikolaischule zu besuchen. 1841 legte Gosche die Reifeprüfung ab und schrieb sich an der Universität Leipzig für das Theologiestudium ein. In »ungewöhnlichem Umfange« widmete er sich, wie der Nachruf in der Universitätschronik vermerkte, daneben philologischen und historischen Studien. So hörte er lateinische, griechische und germanistische Vorlesungen, außerdem erlernte er Arabisch, Äthiopisch, Sanskrit und Persisch. 1847 wechselte Gosche an die Universität Berlin, wo er das Studium der Sprachwissenschaft und der orientalischen Philologie fortsetzte. Das Studium finanzierte er durch Privatunterricht und die Tätigkeit als Theaterkritiker. 1847 promovierte er hier mit einer Dissertation, in der er die Zugehörigkeit des Armenischen zum indoeuropäischen Sprachkreis untersuchte (»De Ariana linguae gentisque Armenicae indole prolegegomena«). Im selben Jahr erhielt Gosche eine Stelle als Kustos an der Königlichen Bibliothek Berlin, wo er ein Verzeichnis arabischer Handschriften anlegte. 1853 habilitierte er sich an der Universität Berlin mit einer nicht veröffentlichten Schrift über die arabischen Übersetzungen griechischer Literaturwerke für die Fächer Literaturgeschichte und orientalische Philologie. Vor allem las er jedoch deutsche Literaturgeschichte, wobei er die jüngere Literatur mit einbezog. Er habe damit, wie die Allgemeine Deutsche Biographie urteilt, der neudeutschen Literatur das »akademische Bürgerrecht mit erobert«. Ab 1859 lehrte er zugleich als Professor für Literaturgeschichte an der Kriegsakademie. Im selben Jahr erschien in den Abhandlungen der Preußischen Akademie der Wissenschaften eine umfangreiche Studie »Über Gazzalis Leben und Werke«, 1860 wurde er zum außerordentlichen Professor an der Universität Berlin ernannt. 1862 nahm er den Ruf auf ein Ordinariat an der Universität Halle für orientalische Sprachen mit Ausnahme des Sanskrit an. Hier gehörte er auch dem Vorstand der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft an, für deren Zeitschrift er mehrere tiefgründige Jahresberichte über die aktuelle Fachliteratur verfasste. Dem Journalismus blieb er auch in Halle treu, für die liberal orientierte Saale-Zeitung und die Berliner Vossische Zeitung schrieb er zahlreiche Feuilletons (»Ausgewählte Aufsätze«, 1890). Daneben publizierte er mehrere populär gehaltene Schriften (u. a. »Sebastian Frank als Geograph«, 1853; »Die Alhambra oder der Untergang der Araber in Spanien«, 1854; »Richard Wagners Frauengestalten«, 1883). Nicht zuletzt bearbeitete er in den 1870er Jahren die Neuauflage der Schlegel-Tieckschen Shakespaere-Ausgabe und gab eine Edition der Werke Lessings heraus. Das von ihm begründete »Archiv für Literaturgeschichte« (1870) musste jedoch nach wenigen Ausgaben das Erscheinen einstellen.
Die Universitätschronik berichtet, dass sich Gosches Gemüt durch die lange Krankheit und den Tod seiner ältesten Tochter zunehmend »verdüsterte«. In »tiefer Niedergeschlagenheit« tötete er sich mit einem Rasiermesser selbst. Die Obduktion, so schreibt die ADB, stellte als Ursache anatomische Veränderungen im Gehirn fest.

Quellen: UAHW, Rep. 11, PA 6797 (Gosche); Chronik 1889/90, S. 10–14; ADB im www.; Asen, Lehrkörper, S. 60.

Autor: HE

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