Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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August Gutzmer

geboren: 2. Februar 1860 Neuroddahn (Ostpriegnitz)
gestorben: 10. Mai 1924 Halle
Konfession: evangelisch
Vater: Tischlermeister

August Gutzmer

Gutzmer besuchte Elementarschulen in Pommern und Berlin, danach die Friedrichwerdersche Gewerbeschule. 1881 erwarb er das Reifezeugnis des Realgymnasiums und begann in Berlin Mathematik und Physik zu studieren. 1884 legte er, offenbar bereits an einer Laufbahn als Hochschullehrer interessiert, die Ergänzungsprüfung im Lateinischen ab. Militärdienst leistete Gutzmer 1884/85 als Einjährig Freiwilliger beim II. Garderegiment Berlin. Hier erkrankte er schwer, so dass er fortan für den Militärdienst untauglich war. Nach der Erkrankung widmete er sich, seinen Neigungen entsprechend, ausschließlich der Mathematik. Nach einer Empfehlung Berliner Professoren (darunter Karl Weierstraß) erhielt Gutzmer 1892 das Angebot eine Professur in Chicago zu übernehmen. Er schlug jedoch aus und promovierte statt dessen an der Universität Halle mit der Dissertation »Über gewisse partielle Differentialgleichungen höherer Ordnung« zum Dr. phil. Kurzzeitig betreute er Journal für die reine und angewandte Mathematik. Doch Ende 1893 heiratete er die Witwe eines Gymnasialdirektors, nach kurzer Zeit verkaufte er das bei Bernburg gelegene Gut der Frau. So konnte er 1894 eine gering dotierte Assistentenstelle an der Technischen Hochschule Charlottenburg antreten. Im selben Jahr wurde Gutzmer Schriftführer und Vorstandsmitglied der Deutschen Mathematikervereinigung. 1896 habilitierte er sich in Halle für das Fach Mathematik mit der Arbeit »Zur Theorie der adjungierten Differentialgleichungen«. Wenig später – 1899 – erhielt er an der Universität Jena ein besoldetes Extraordinariat, zum ordentlichen Professor wurde Gutzmer bereits im folgenden Jahr ernannt. 1905 nahm er einen Ruf an die Universität Halle an, wo er dem häufig erkrankten Georg Cantor zur Seite stand. Gutzmer befasste sich vor allem mit der Theorie der Differentialgleichungen und eindeutiger analytischer Funktionen. Außerdem nahm er wissenschaftsorganisatorische Aufgaben wahr. Er gab das Jahrbuch der deutschen mathematischen Vereinigung heraus und war Mitglied im Verwaltungsausschusses der Jubiläumsstiftung für Erziehung und Unterricht und im Ausschuss des Deutschen Museums in München. Mit praktisch allen bedeutenden Mathematikern seiner Zeit stand Gutzmer daher im Briefwechsel. 1914/15 amtierte der Hochgeehrte (Geheimer Regierungsrat, Königlicher Kronenorden 3. Klasse) als Rektor der Universität Halle, ab 1921 als Präsident der Akademie der Naturforscher Leopoldina. Ohnehin von schwacher Gesundheit, überstand Gutzmer 1916 eine schwere Lungenerkrankung. er starb kurze Zeit nach einem Kuraufenthalt, der ihm Erholung nach einer schweren Grippeerkrankung bringen sollte.

Quellen: UAHW, Rep. 11, PA 7081 (Gutzmer).

Autor: HE

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