Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Wilhelm Herbst

geboren: 8. November 1825 Wetzlar
gestorben: 20. Dezember 1882 Halle
Konfession: evangelisch
Vater: Gymnasiallehrer

Wilhelm Herbst

Nach dem Besuch der Gymnasien in Wetzlar und Duisburg studierte Herbst Philologie und Geschichte an den Universitäten Bonn und Berlin, u. a. bei Heinrich von Sybel und Leopold Ranke. Er setzte seine Studien im elterlichen Haus fort und legte in Halle die Lehramtsprüfung ab. Danach leistete er Wehrdienst als Einjährig Freiwilliger, 1848 wurde er bei der Niederschlagung von Aufständischen eingesetzt. 1850 promovierte Herbst an der Universität Halle mit der Dissertation »De civilibus Atheniensum factionibus« zum Dr. phil. Danach war er Lehrer an verschiedenen Gymnasien und Privatschulen in Duisburg, Köln, Dresden, Elberfeld und Cleve. In Cleve wurde er zum Direktor ernannt. Als Schuldirektor wirkte er dann in Köln, Bielefeld, Magdeburg und ab 1873 in Pforta bei Naumburg. In der Provinz Sachsen leitete Herbst die Direktorenkonferenzen der Gymnasien, 1873 ehrte ihn die Theologische Fakultät der Universität Halle mit dem D. theol. h. c. Wiederholt schwer erkrankt, suchte er 1876 um Urlaub und 1877 um seinen Abschied nach. Er siedelte nach Coburg, wenig später nach Halle über.
Herbst verfasste mehrere Arbeiten zur griechischen Geschichte (u. a. »Geschichte der auswärtigen Politik Spartas im Zeitalter des Peloponnesischen Krieges, 1853) und zahlreiche Schriften für den Gymnasialunterricht. Darunter waren ein »Hilfsbuch für die Deutsche Literaturgeschichte« (2 Bände 1879, 7. Auflage 1897) und ein der Antike gewidmetes »Historisches Hilfsbuch für die oberen Klassen der Gymnasien und Realschulen« (1864, 14. Auflage 1889). Außerdem begann er mit der Edition einer Enzyklopädie der Neueren Geschichte (1880–1889). Der überaus produktive Herbst schrieb auch teils umfangreiche Monographien über Matthias Claudius und den Wandsbecker Boten (1857, 3. Auflage 1863) und Johann Heinrich Voss (2 Bände, 1872–1876) sowie eine Studie über Goethes Aufenthalt in Wetzlar (1881), nicht zuletzt viele journalistische Beiträge für die christliche Zeitschrift »Daheim«. Die Allgemeine Deutsche Biographie erwähnt auch, dass Herbst zahlreiche Reden zu den Königsgeburtstagen hielt, von denen mehrere als pädagogisch wertvolle Würdigungen der Monarchie gedruckt wurden. Mehrfach betonte er in diesen Reden, dass die deutsche Reichseinigung unter einem evangelischen König der eigentliche Sieg der Reformation gewesen sei. Kirchenpolitisch profilierte sich Herbst in der Mittelpartei und bezog Stellung für die evangelische Union. 1875 wurde er daher Mitglied der sächsischen Provinzialsynode und der Preußischen Generalsynode. Das Preußische Kultusministerium ernannte Herbst 1881 zum ordentlichen Honorarprofessor in der theologischen Fakultät und betraute ihn mit der Leitung des pädagogischen Seminars. Er unterbreitete Vorschläge zur Reform des Seminars, doch bevor seine Pläne verwirklicht werden konnten, verstarb Herbst an einem Schlaganfall – »früher als man erwarten konnte«, wie die Universitätschronik vermerkte.

Quellen: Chronik 1881/82, S. 6; ADB im www.

Autor: HE

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