Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Paula Hertwig

geboren:11. Oktober 1889 Berlin
gestorben:31. März 1983 Villingen
Konfession:evangelisch
Vater:Evolutionsbiologe

Paula Hertwig

Paula Julie Elisabeth Hertwig wurde am 11.10.1889 als Tochter des Evolutionsbiologen Oskar Hertwig in Berlin geboren. An die zehnklassige Mädchenschule schloss sie einen zweijährigen Gymnasialkurs an, den sie 1908 mit dem Abitur abschloss. Sie studierte als zweite Frau an der Universität Berlin von 1909 bis 1916 Zoologie, Botanik und Chemie und promovierte 1916 mit einer zoologischen Doktorarbeit zum Dr. phil. Von 1916 bis 1919 vertrat sie als Volontärassistentin die Kriegsdienstleistenden Assistenten im Anatomisch-Biologischen Institut ihres Vaters in Berlin. 1919 wurde sie als erste Frau überhaupt in Deutschland an der philosophischen Fakultät der Universität Berlin im Fach Zoologie habilitiert.

1921 wurde sie Assistentin am Institut für Vererbungs- und Züchtungsforschung der Landwirtschaftlichen Hochschule Berlin. 1927 wurde sie zur nichtbeamteten außerordentlichen Professorin ernannt und erhielt einen Lehrauftrag für Vererbungslehre an der medizinischen Fakultät. 1939 erhielt sie ihre erste planmäßige Stelle als Assistentin. Wie alle Professoren musste Paula Hertwig 1939 beantragen, nach der Reichs-Habilitationsordnung vom 17. Februar 1939 Professor neuer Ordnung zu werden. Dies wurde aufgrund eines negativen Gutachten des Dozentenführers Werner Holtz vom Rektor Willy Hoppe abgelehnt. Paula Hertwig konnte allerdings als nichtbeamtete a.o Professorin mit einem Lehrauftrag ihre Lehrtätigkeit fortführen.

Zum 1. Mai 1946 wurde Paula Hertwig gemeinsam mit ihrem Bruder Günther Hertwig (1888 – 1970) an die hallesche Universität berufen, Paula Hertwig zunächst als außerordentliche Professorin und Günther Hertwig als ordentlicher Professsor und Direktor des Anatomischen Institutes. Die Geschwister lebten von wenigen Jahren der Trennung abgesehen bis zum Tod von Günther Hertwig zusammen. Als sie nach Halle kamen, nahmen sie die Frau ihres im Krieg vermissten Cousins mit ihren beiden Kindern in den gemeinsamen Haushalt auf. Auch Paula Hertwigs Stelle wurde an der Medizinischen Fakultät angesiedelt, sie erhielt zunächst ein Extraordinariat für Biologie und war Professorin mit vollem Lehrauftrag und Direktorin des Biologischen Institutes. Ein Biologisches Institut an der Medizinischen Fakultät, das war neu und für die Medizinstudenten eine Verbesserung ihrer Studienbedingungen im Fach Biologie.

Am 1. August 1948 wurde Paula Hertwig „zum ordentlichen Professor in der Medizinischen Fakultät“ ernannt, mit Lehrstuhl.

Sie war die erste Professorin an der Universität Halle, wo sie bis zu ihrer Emeritierung 1957 lehrte und forschte.

Sie forschte insbesondere über die biologische Wirkung von Röntgen- und Radiumstrahlen, sowie Züchtung- und Vererbungswissenschaft und untersuchte mit ihrem Bruder Günther Hertwig Fischkreuzungen und den Einfluss chemischer Stoffe auf die Entwicklung von Seeigeln.

1944 erhielt sie den Theobald-Christ- Preis der Senkenbergischen Stiftungen Frankfurt am Main und 1949 wurde ihr die Ehrendoktorwürde der Universität Halle verliehen. 1956 wurde sie mit dem Vaterländischer Verdienstorden in Bronze, Nationalpreis 3. Klasse und 1959 mit dem Titel „Hervorragender Wissenschaftler des Volkes“ ausgezeichnet. Paula Hertwig setzte sich für Universitätsangehörige und Studierende ein, die in der DDR aus politischen Gründen verfolgt worden sind.

Im März 1972 zog sie mit ihrer Cousine nach Villingen in den Schwarzwald und starb dort am 31.03.1983.

Organisationen: Sie war von 1919 bis 1931 Mitglied der Deutschen Volkspartei und 1932/33 der Deutschen Staatspartei, für die sie als Abgeordnete 1933 im letzten gewählten Preußischen Landtag ein Mandat hatte. Bereits am 27. Juni 1933 erfuhr sie von ihrem Ausschluß aus dem Landtag. Vor 1933 war sie Mitglied des Dozentenbundes und Vorstandsmitglied des deutschen Akademikerinnen-Bundes. 1935-1945 war sie Mitglied des NSV und 1937-1945 des NSDOB. 1946 war sie Gründungsmitglied des Demokratischen Frauenbundes Deutschlands (DFD) und von 1947 bis 1948 1. Landesvorsitzende des DFD für Sachsen-Anhalt und Mitglied des Bundesvorstandes. Sie nahm 1952 am zweiten Weltfriedenskongress in Warschau teil. Am 23. April 1953 wurde sie zum Leopoldina-Mitglied gewählt.

Auswahl weiterer Literatur/Ergänzungen: Gerstengarbe, Sybille und Horst Hennig: Opposition, Widerstand und Verfolgung an der Martin-Luther- Universität Halle-Wittenberg 1945 -1961. Eine Dokumentation. Leipzig 2009, 139ff., 295, 368f., 381-387 passim

https://www.hu-berlin.de/de/ueberblick/geschich...

Paula Hertwig – Humboldt-Universität zu Berlin (Kurzbiographie: Genetikerin und erste Privatdozentin; darin Ergänzungen zu oben wie z.B.: 1939: Gegen den drohenden „Entzug der Lehrbefugnis“ protestiert Paula Hertwig erfolgreich. … wurde aber nicht a.o.Prof. … s.o.; A.T. und:
1920: Sie wird Mitarbeiterin bei Prof. Erwin Baur und ab 1921 Assistentin an seinem Institut für Vererbungswissenschaften der Landwirtschaftlichen Hochschule Berlin.)

Gerstengarbe, Sybille: Paula Hertwig – Genetikerin im 20. Jahrhundert . Eine Spurensuche / Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina, Halle 2012.

Quellen: UA Halle-Wittenberg, Rep.11/PA 24797

Bild: Deutsche Fotothek, ohne Änderungen übernommen

Autor: AK

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