Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Albert Hesse

geboren: 4. Oktober 1876 Bleicherode (Harz)
gestorben: 31. Juli 1965 Freiburg im Breisgau
Konfession: evangelisch
Vater: Gerichtsvollzieher

Albert Hesse

Das Reifezeugnis der Lateinischen Hauptschule in Halle erhielt Hesse 1896. Er studierte Rechtswissenschaften und Nationalökonomie an der Universität Halle. Die Referendarprüfung bestand Hesse 1899. 1900 promovierte er mit der Dissertation »Der Schutz des Mieters gegen Dritte nach deutschem bürgerlichen Recht« zum Dr. jur. Zum Dr. phil. promovierte er 1901 mit der Arbeit »Der Begriff der Gesellschaft in Spencers Soziologie«. Auf Betreiben Johannes Conrads, der eine ergänzende Vorlesung über Statistik wünschte, habilitierte sich Hesse, inzwischen Leiter des städtischen statistischen Amtes in Halle, 1903. Die Habilitationsschrift »Natur und Gesellschaft – Eine kritische Untersuchung der Bedeutung der Deszendenztheorie für das soziale Leben«, also eine Darstellung der Wirkung der Selektionslehre Darwins auf Gesellschaft, wurde bei einem Wettbewerb mit einem 2. Preis gekrönt. 1908 erhielt Hesse den Titel eines außerordentlichen Professors. Noch im selben Jahr folgte er einen Ruf auf ein besoldetes Extraordinariat an der Universität Königsberg. Zum Erfolg wurde Hesses 1909 veröffentlichtes Buch über »Gewerbestatistik« (4. Auflage 1925). 1910 wurde er zum ordentlichen Professor befördert. In Königsberg verfasste er Studien über den Grundbesitz und die Bevölkerung in Ostpreußen. Während des Ersten Weltkrieges war Hesse mit Fragen der Preisbildung befasst. 1921 nahm er einen Ruf an die Universität Breslau an und leitete dort das Osteuropa-Institut. 1930 erstattete er den Bericht der Enquete-Kommission »Die Wirkungen des Friedens von Versailles auf die Wirtschaft des deutschen Ostens«. Zum Bestseller wurde der von Hesse und Conrad herausgegebene des Grundriss der politischen Ökonomie (»Conrad-Hesse«, 10 Auflagen). In der NS-Zeit erschien eine von liberalem Gedankengut weitgehend bereinigte Fassung unter dem Titel »Leitfaden der politischen Ökonomie« (1938). Die Neubearbeitung von 1948 war wieder den neuen Verhältnissen angepasst (»Allgemeine und angewandte Volkswirtschaftslehre«). Da Hesse 1933 von der Leitung des Osteuropa-Instituts in Breslau entbunden wurde und der NSDAP nicht angehörte, erhielt er 1945 die Stelle eines Ministerialdirektors in der Provinzialverwaltung Sachsen-Anhalt. Zugleich lehrte er ab 1946 an der Universität Halle Volkswirtschaftspoltik. 1947 nahm Hesse einen Ruf an die Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer an, 1951 wurde er emeritiert.

Quellen: UAHW, Rep. 21, Abt. III Nr. 145; Kürschner; DBE Band 4, S. 674; Vorlesungsverzeichnis 1946/47.

Autor: HE

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