Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Walther Hoffmann

geboren:15. August 1910 Heidelberg
gestorben:1974
Konfession:evangelisch
Vater:Arzt

Walther Hoffmann

Walther Hoffmann wurde als Sohn eines Arztes am 15.08.1910 in Heidelberg geboren. Er schloss die Oberrealschule mit der Reifeprüfung 1929 ab und begann darauf das Studium der Naturwissenschaft in Heidelberg. Er beschäftigte sich mit Botanik (Jost), Zoologie (Herbst) und Geologie (Salomon-Calvi), sowie besonders der Genetik und Pflanzenforschung (Ubisch). Er arbeitete 1933/34 als Assistent in Heidelberg und promovierte dort 1934 mit dem Hauptfach Botanik. Ab Oktober 1934 arbeitete er in der Abteilung für Gerstenzüchtung des Kaiser-Wilhelm- Institutes für Züchtungsforschung in Müncheberg. 1936 wurde er dort Leiter der neugegründeten Abteilung für Faserpflanzenzüchtung. Nach der Angliederung dieser Abteilung an das Kaiser-Wilhelm- Institut für Bastfaserforschung 1942 wurde er als Abteilungsleiter für Landwirtschaft, Züchtung und Genetik nach Mährisch Schönberg versetzt. Nach der Aussiedlung 1946 war er Mitarbeiter am Versuchfeld Hohenthurm des Instituts für Pflanzenzüchtung der Universität Halle. Er habilitierte sich 1949 in Halle und wurde dort im selben Jahr zum ordentlichen Professor und Direktor des Instituts für Pflanzenforschung ernannt. 1957 wurde er zum Dekan der landwirtschaftlichen Fakultät gewählt. Im August 1958 verließ er die DDR. Im Zusammenhang mit der Kampagne der SED und der Universitätsleitung gegen den 1958 verboteten Spiritus-Kreis stellte er sich hinter die angegriffenen Professoren und setzte sich für Studierende ein, die aus politischen Gründen verfolgt worden sind.

Er kehrte aus seinem Urlaub (offizielles Ende 30.08.1958) nicht zurück. Er hatte seine Haushälterin schon bis September bezahlt und hatte wohl einen Ruf aus dem Westen. 1958 wurde er auf den Lehrstuhl für Vererbungsforschung nach Berlin berufen. Das Dahlemer Institut war zu diesem Zeitpunkt an die Technische Universität angeschlossen. Von 1958 bis 1974 leitete Walther Hoffmann das Institut. In seiner Amtszeit wurde das Institut 1972 nach dem Willen aller Mitarbeiter dem Fachbereich Biologie der Freien Universität angeschlossen.

Seiner Ehe mit Hanna Pfannschmidt entstammen drei Kinder.

Walther Hoffmann starb 1974.

Organisationen: Von 1936 bis 1945 war er Mitglied des NSV, von 1937-45 der NSDAP. Für seine Forschungsstelle wurde er vom Kriegsdienst zurückgestellt. Ab 1947 war er Mitglied des FDGB und ab 1949 des Kulturbundes sowie der Nationalen Front.

Quellen: UAHW, Rep. 11, PA 8109 (Hoffmann, Walther)

Auswahl weiterer Literatur: Kowalczuk, Ilko-Sascha: Geist im Dienste der Macht: Hochschulpolitik in der SBZ/DDR 1945 bis 1961; Berlin 2003.

Stengel, Friedemann: Die Theologischen Fakultäten in der DDR als Problem der Kirchen- und Hochschulpolitik des SED-Staates bis zu ihrer Umwandlung in Sektionen 1970/71. Leipzig 1998.

Stengel, Friedemann: Zur Kirchen- und Hochschulpolitik der SED am Beispiel der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in den fünfziger Jahren. In: Vorträge und Abhandlungen zur Wissenschaftsgeschichte 1999/2000, hrsg. von Wieland Berg, Sybille Gerstengarbe, Andreas Kleinert und Benno Parthier. Heidelberg 2000 (Acta Historica Leopoldina 36), 25-61

Sybille Gerstengarbe und Horst Hennig: Opposition, Widerstand und Verfolgung an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg 1945 -1961. Eine Dokumentation. Leipzig 2009, 399f., 402-404, 446, 467-470

Zeitzeugnisse, S. 2, 4, 17, 19, 26

Autor: AK

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