Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Heinrich von Hollander

geboren: 23. Februar 1853 Riga
gestorben: 26. März 1925 Diemitz bei Halle
Konfession: evangelisch
Vater: Bürgermeister

Heinrich von Hollander

Der Sohn des Rigaer Bürgermeisters studierte in Dorpat Rechtswissenschaften und eröffnete 1879 eine Advokatenpraxis in seiner Heimatstadt. Zugleich arbeitete er als Dozent am dortigen Polytechnikum, zuerst für Landwirtschaftsrecht, später für Handels-, Wechsel- und Seerecht. 1889 siedelte von Hollander wegen der zunehmenden Russifizierung Lettlands nach Deutschland über und studierte erneut Rechtswissenschaften. 1892 promovierte er an der Universität Jena zum Dr. jur. mit der Dissertation »Über das Major als Schranke der Haftung nach römischem Recht«. Nach bestandem Assesssorexamen ließ sich von Hollander in Weimar als Rechtsanwalt nieder. 1897 siedelte er nach Halle über und habilitierte sich 1898 an der Universität Halle mit der Schrift »Zur Lehre vom ›Error‹ nach römischem Recht«, in der er die Frage des Irrtums bei Vertragsabschlüssen und Willensbekundungen untersuchte. Die Hoffnungen, welche die Fakultät in von Hollander setzte, enttäuschte er jedoch, wie Universitätschronik vermerkt. Er veröffentlichte nach seiner Habilitationsschrift lediglich einen Beitrag in der Festschrift für Hermann Fitting mit dem Titel »Über den Animus im Besitz der Römer«. 1903 erhielt er den Professorentitel. Seine Lehrtätigkeit war ebenfalls nicht erfolgreich, da sich von Hollander, erneut sei die Universitätschronik zitiert, »zur Einarbeitung in das mittlerweile in Kraft getretene Bürgerliche Gesetzbuch nicht mehr entschließen konnte.« Die Beschlagnahme seiner lettischen Besitzungen im Zuge der ersten russischen Revolution lähmte von Hollander völlig, so dass er die Lehrtätigkeit einstellte. Eine Sammlung im Kollegenkreis erbrachte zwar mehrere tausend Mark, mehr als die reine Existenz der Familie konnte das Geld jedoch nicht sichern. Die Universitätsbibliothek stellte von Hollander als wissenschaftlichen Hilfsarbeiter ein, jedoch war auch dies nur eine vorübergehende Besserung seiner Lage. Er verfiel körperlich und geistig, 1914 musste er in die Universitätsnervenklinik eingewiesen werden. Am Ende des Ersten Weltkrieges kehrte er nach Riga zurück und geriet dort in die Wirren der bolschewistischen Revolution. Bereits für tot gehalten, kehrte er nach Halle zurück, als gebrochener, wie die Universitätschronik schreibt, »dem Erdenleben längst entrückter Mann«.

Quellen: UAHW, Rep. 11, PA 8143 (von Hollander); Chronik 1916–1926, S. 36 f.; Habilitationsschrift.

Autor: HE

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