Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Edmund Husserl

geboren: 8. April 1859 Proßnitz (Mähren)
gestorben: 27. April 1938 Freiburg im Breisgau
Konfession: evangelisch
Vater: Kaufmann

Edmund Husserl

Husserl besuchte Gymnasien in Wien und Olmütz, ab 1876 studierte er Mathematik, Philosophie, Physik und Astronomie an den Universitäten Leipzig, Berlin und Wien, u. a. bei Karl Weierstrass, Carl Stumpf und Franz Brentano. 1883 promovierte er an der Universität Wien mit der Arbeit »Beiträge zur Variationsrechnung« zum Dr. phil. Er setzte seine Studien bei Brentano fort, von ihm übernahm er den Gedanken der prinzipiellen Gerichtetheit des Bewußtseins, der Intentionalität, den er später zu einer allgemeinen Theorie des Erkennens und Erlebens, der phänomenologischen Philosophie ausweitete. 1887 habilitierte sich Husserl an der Universität Halle mit der Schrift »Über den Begriff der Zahl: psychologische Analysen«. Die Antrittsvorlesung hielt er über »Die Ziele und Aufgaben der Metaphysik«. In den folgenden Jahren entwickelte er sich zu einem der wichtigsten Kritiker des Psychologismus, da er der Psychologie wegen ihres empirischen Charakters allgemeine Gültigkeit absprach. Das von ihm 1900/01 veröffentlichte Werk »logische Untersuchungen« gilt als eigentliche »Gründungsurkunde« der Phänomenologie und brachte Husserl internationale Anerkennung. Husserls Gedanken wurden nicht zuletzt deshalb begeistert aufgegriffen, weil er mit seinem Postulat »unvoreingenommener Betrachtung« der Akte des Bewusstseins, »in welchen Gegenstände konstruiert werden«, die Möglichkeit wissenschaftlicher Objektivität philosophisch begründete. 1901 wurde Husserl als außerordentlicher Professor an die Universität Göttingen berufen, ab 1906 war er dort ordentlicher Professor. Ab 1913 gab er das »Jahrbuch für Philosophie und phänomenologische Forschung« heraus (bis 1930). Als Husserl 1916 einen Ruf auf ein Ordinariat an der Universität Freiburg annahm, konstatierten einige Professoren der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät, dass man die erkenntnistheoretische Richtung der Philosophie vernachlässigt, und Husserl wohl deshalb nicht gehalten habe, »weil man seine Bedeutung nicht erkannte«. In Freiburg lehrte Husserl, u. a. korrespondierendes Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Mitglied der Aristotelian Society in London, der Academy of the West in Boston (USA) und korrespondierendes Mitglied des Institut de France, bis 1936. In diesem Jahr wurde ihm wegen seiner jüdischen Abstammung die Venia legendi aberkannt. Zu Lebzeiten veröffentlichte er neben zahlreichen Aufsätzen in seinem Jahrbuch Studien zur »Phänomenologie des inneren Zeitbewusstseins« (1928), zur formalen und transzendentalen Logik (1929). Die meisten seiner Werke wurden aus dem Nachlass herausgegeben. 1938 gründeten Anhänger in Löwen (Belgien) das Husserl-Archiv, das seit 1950 dessen gesammelte Werke herausgibt (»Husserliana«). Weitere Husserl-Archive befinden sich in Freiburg Paris und Köln. Seit 1984 erscheint in Den Haag die Zeitschrift »Husserl studies«.

Quellen: UAHW, Rep. 21, Abt. III Nr. 139; Becker u.a. Göttingen (2. Auflage, S. 288, 502), Philosophenlexikon, Berlin (Ost) 1987, S. 416 ff.; Angaben im www.

Autor: HE

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