Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Martin Jahn

geboren: 20. September 1888 Berlin
gestorben: 11. September 1974 Buckenhof (bei Erlangen)
Konfession: evangelisch
Vater: Volksschullehrer

Martin Jahn

Jahn besuchte das Sophiengymnasium Berlin, die Reifeprüfung legte er 1907 ab. Er studierte an der Universität Berlin Geschichte und Germanistik, v. a. bei Gustaf Kossinna. 1912 trat er eine Stelle als wissenschaftlicher Hilfsassistent am Museum für Kunstgewerbe und Altertümer in Breslau an. 1913 promovierte Jahn mit einer Dissertation über »Die Bewaffnung der Germanen« an der Universität Berlin zum Dr. phil. Während des Ersten Weltkrieges wurde er zum Garnisionsdienst eingezogen und war als Dolmetscher tätig. 1920 folgte die Beförderung zum Kustos des Museums. 1930 habilitierte er sich an der Universität Breslau mit einer Schrift über die östlichsten archäologischen Funde der Kelten. Ab 1931 war Jahn Direktor des schlesischen Landesamtes für vorgeschichtliche Denkmalpflege, von 1934 bis 1945 zugleich ordentlicher Professor der Universität Breslau (1945 ausgezeichnet mit dem Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse). In Schlesien untersuchte Jahn germanische, illyrische und slawische Kulturen, wertete aber auch Funde der Skythen in Ostdeutschland aus. Im Zentrum seiner Forschungen standen archäologische Befunde der Vandalen (»Die Heimat der Wandalen und Norwegen«, 1937; »Die Wandalen«, 1940). Außerdem gab er von 1926 bis 1945 das »Nachrichtenblatt für die deutsche Vorzeit« und zwei Bände der Zeitschrift »Altschlesien« (1939, 1941) heraus.
Ende 1945 ausgewiesen, siedelte Jahn zunächst nach Berlin um. Im Oktober 1946 wurde er als ordentlicher Professor für Vorgeschichte an die Universität Halle berufen und wurde zum Direktor des Landesmuseums ernannt. Er galt als »politisch völlig unbelastet«, wie Kurator Friedrich Elchlepp am 3. Dezember 1946 notierte. Tatsächlich hatte sich Jahn in der Zeit des Nationalsozialismus nicht herausragend im Sinne des Regimes engagiert, sondern stets für einen Ausgleich zwischen der ideologisch motivierten und der klassischen Vorgeschichtswissenschaft gearbeitet. In Halle initierte er Forschungen zum Feuersteinbergbau und eine Großgrabung in Wahlitz bei Burg. Dazu kam die Koordination umfangreicher Notgrabungen in den mitteldeutschen Bergbaugebieten. Hier arbeitete er auch mit zum Teil stark belasteten, aber fachlich ausgewiesenen Wissenschaftlern zusammen. 1955 wurde Jahn emeritiert, die wirkliche Versetzung in den Ruhestand jedoch mehrfach hinausgeschoben. Ende der 1950er Jahr siedelte Jahn in die Bundesrepublik über, hier lehrte er als Ermeritus an der Universität Erlangen.
Bereits 1948 wurde Jahn von seinen Schülern mit einer Festschrift geehrt (»Strena Praehistorica«). Er war Mitglied der Leopoldina, der Sächsischen Akademie der Wissenschaften und der Deutschen Akademie der Wissenschaften in Berlin. Als Obmann der Sektion Vorgeschichte der Leopoldina richtete er deren Tätigkeit neu aus.

Organisationen: NSV, NSKOV, NSLB, RLB; 1947 FDGB

Quellen: UAHW, Rep. 11, PA 8395 (M. Jahn); Auskunft als Leopoldina-Archiv MM 4736 M. Jahn; Festschrift.

Autor: HE

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