Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Bild für rechte Spalte: Reitersiegel-Binärcode

Wilhelm Jahn

geboren: 7. April 1873 Stettin
gestorben: Sterbedatum nicht ermittelt.
Konfession: evangelisch
Vater: Kaufmann

Wilhelm Jahn

Da Jahns Eltern früh starben, besuchte er Gymnasien in Berlin und Wernigerode, wo er 1893 die Abiturprüfung ablegte. An den Universitäten Berlin, Marburg, Rostock und Kiel studierte er Kunst- und Literaturgeschichte, vor allem aber Philosophie. Ab 1900 widmete er sich ausschließlich dem Sanskrit, bei dem er, wie es im Lebenslauf der Dissertation heißt, »am meisten Befriedigung gefunden« habe. 1904 promovierte Jahn an der Universität Würzburg mit einer Arbeit über die Entwicklung der kosmogonischen Grundanschauungen im Manava-Dharma-Sastram, dem über lange Zeit entstandenen indischen Gesetzbuch. Das Doktorexamen legte er in den Fächern Philosophie, Archäologie und orientalischer Philologie ab. 1909 erteilte ihm die Hochschule in Zürich die Venia legendi für Sanskrit und indische Philologie. Von September 1914 bis August 1917 leistete Jahn Kriegsdienst in einer Marine-Artillerieabteilung in Lehe. Da Jahn sich während des Ersten Weltkrieges von den Lehrverpflichtungen beurlauben ließ, erklärte die Erziehungsdirektion des Kantons Zürich die Venia legendi im Juni 1918 für erloschen. Im Dezember 1918 erteilte die Universität Halle Jahn die Lehrberechtigung für Sanskrit, die Antrittsvorlesung hielt er zum Vedantasystem. Ab 1919 hielt er sich, wohl krankheitsbedingt, in Locarno (Schweiz) auf. Die deutsche Justiz ermittelte ab 1920 gegen ihn wegen Verstoßes gegen die Verordnung über Maßnahmen gegen die Kapitalabwendung in das Ausland vom 21. November 1918. Jahn hatte mehrere hunderttausend Mark in die Schweiz transferiert, war jedoch Betrügern in die Hände gefallen, so dass sein Vermögen auf einen Bruchteil zusammenschmolz. Die deutschen Steuerbehörden ließ sich auf einen Handel – Amnestie gegen Rücktransfer des verblieben Kapitals – nicht ein und verweigerten Jahn die Wiedereinreise. Jahn nahm die Lehrtätigkeit in Deutschland nicht wieder auf. Weiteres konnte nicht ermittelt werden.

Quellen: UAHW, Rep. 11, PA 8399 (Jahn); UAHW, Rep. 21, Nr. 149; Dissertation; UAHW, Rep. 4, Nr. 867.

Autor: HE

Zum Seitenanfang