Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Ludwig Heinrich von Jakob

geboren:26. Februar 1759 Wettin
gestorben:22. Juli 1827 Bad Lauchstädt
Konfession:evangelisch
Vater:Johann Konrad Jacobi (1733-1800), Posamentierer, Kleinbauer in Wettin und Merseburg

Ludwig Heinrich von Jakob

Jakob besuchte zunächst die Domschule in Merseburg und wechselte 1773 auf das hallesche Stadtgymnasium. 1777 schrieb er sich an der halleschen Universität für das Theologiestudium ein - eine durchaus übliche Wahl für Kinder aus einfachen Verhältnissen. Das Studium finanzierte er sich, indem er privat Unterrichtsstunden gab. Schon 1781 konnte er an seinem alten Gymnasium, dem halleschen Stadtgymnasium, eine Stelle als Lehrer antreten. Dass er an der Universität weiterhin tätig war, zeigt der Abschluss des Magisterexamens 1785 und die Promotion im selben Jahr.

Am 8. März 1787 erhielt Jakob die Berufung auf eine außerordentliche Professur an der Philosophischen Fakultät in Halle. Er behielt zunächst aber seine Lehrerstelle am Stadtgymnasium weiterhin, bis er 1791 auf die ordentliche Professur der Philosophie berufen wurde. Dabei behandelte er alle Bereiche der Philosophie und auch Fragen der modernen Philologie. Um die Jahrhundertwende wandte er sich dann in erster Linie kameralistischen Studien zu. Er war einer der bedeutendsten Verfechter der Ideen von Adam Smith in Deutschland. Beispielsweise geht auf sein Werk „Grundsätze der National-Oekonomie oder Theorie des National-Reichthums“(1805) der Begriff der Nationalökonomie bis in den heutigen Sprachgebrauch zurück.

Für die Geschichte der halleschen Universität ist Jakob besonders wichtig gewesen, weil er zum einen von 1801-1804 ungewöhnlich lange das Rektorenamt innehatte, aber zum anderen in dieser Zeit die desaströse finanzielle Ausstattung verbessern konnte. Er erwirkte eine Erhöhung der staatlichen Zuwendungen und eine Neuordnung der Universitätsstatuten. Aber auch er konnte die vorübergehende Schließung der Universität 1806 durch napoleonische Truppen nicht verhindern. So verließ auch Jakob die Universität. Er erhielt 1807 einen Ruf an die russische Universität in Charkow als ordentlicher Professor für politische Ökonomie und Staatskunst. Er machte in russischen Diensten schnell Karriere, auch als Staatsrat im Finanzministerium. 1816 erfolgte seine Nobilitierung. Im selben Jahr nahm er aber auch den erneuten Ruf als ordentlicher Professor der Staatswissenschaften an die Universität Halle an und kehrte in die Saalestadt zurück. Zum einen kamen die russischen Reformbestrebungen ins Stocken, zum anderen war Jakob immer noch familiär mit Halle verbunden.

Am 24. Juli 1789 hatte er Auguste Friederike Dreyßig in Halle geheiratet. Sie entstammte einem alten Pfännergeschlecht, so dass Jakob sogar das hallesche Pfännerrecht besaß. Im Februar 1791 erlangte er zudem das hallesche Bürgerrecht. Das Paar hatte mehrere Kinder, u.a. Therese Albertine von Jakob (1797-1870), genannt Talvj (nach den Anfangsbuchstaben ihres Namens), die sich in Halle als Schriftstellerin einen Namen machte.

Jakob war ehrenamtlich als Oberkirchvater der St. Ulrichsgemeinde in Halle tätig, Außerdem gründete er im Jahr 1800 eine Lesegesellschaft, das „Museum", eine der für die Zeit typischen Aufklärungsgesellschaften.

Quellen: ADB, Bd. 13, Leipzig 1881, S. 689f.; DBA I, Nr. 598, S. 368-388; DBA II, Nr. 648, S. 195-216; DBA III, Nr. 438, S. 38-42; Ersch/Gruber, Sect. 2, Theil 14, Leipzig 1837, S. 240ff.; Förster, S. 225f.; NDB, Bd. 10, Berlin 1970, S. 216; StaH FA, Nr. 3240; UAHW Rep 3, Nr. 249 Ernennung der ordentlichen und außerordentlichen Professoren der Philosophischen Fakultät (1766-1798).

Autorin: JS

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