Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Ludwig Justi

geboren: 14. März 1876 Marburg
gestorben: 19. Oktober 1957 Potsdam
Konfession: evangelisch-lutherisch
Vater: Universitätsprofessor Ferdinand Justi

Ludwig Justi

Justi besuchte das Gymnasium in Marburg und erhielt durch verschiedene Mitglieder der weit verzweigten Gelehrtenfamilie zahlreiche Anregungen zum Selbststudium und künstlerischer Betätigung. Er studierte Klassische Philologie, Archäologie, Kunstgeschichte und Philosophie an den Universitäten Bonn und Berlin, unterbrochen durch den Militärdienst als Einjährig Freiwilliger in einem Jägerbataillon. 1898 promovierte er an der Universität Bonn mit der Dissertation »Albrecht Dürer und Jacobo de Barbari« zum Dr. phil. 1899/1900 reiste er zur Erweiterung seines Horizontes und zu Studienzwecken nach Italien. 1900 wurde er Volontär in den Königlichen Museen Berlin, wenig später erhielt er eine Stelle als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter. 1901 habilitierte er sich an der Universität Berlin mit einer Schrift über »Konstruierte Figuren und Köpfe unter den Werken Albrecht Dürers« für das Fach neuere Kunstgeschichte. Als 1903 an der Universität Halle ein Extraordinariat für das Fach Kunstgeschichte eingerichtet wurde, schlug die Philosophische Fakultät Justi vor. Dieser fühlte sich jedoch in Halle nicht wohl, bedingt durch sein junges Alter, die Spießigkeit der Professorenschaft und die Trägheit der Studenten (bei seinen Vorlesungen gewann er den Eindruck, er spreche in einen »leeren Sack«). So nahm Justi 1904 die Berufung zum Direktor der Städelschen Kunststiftungen an. Da seine Pläne zur Reorganisierung der Museen Frankfurts nicht durchsetzbar waren, ging er 1905 zurück nach Berlin und wurde Sekretär der Akademie der Künste. Eine großangelegte Monographie über Giorgione (1906, verändert und erweitert 1926) qualifizierte ihn für weitere Aufgaben. 1909 wurde er trotz zahlreicher Anfeindungen zum Direktor der Nationalgalerie in Berlin ernannt, sein Amt begann er mit einer Studienreise zu den Kunstmuseen der USA. Seine Denkschrift zum weiteren Ausbau der Sammlungen fand den Beifall Kaiser Wilhelms II., der Mittel für den Umbau des Hauses und eine angemessene Präsentation der Kunst des 19. Jahrhunderts bereitstellte. In der Bauakademie richtete Justi später, nach Londoner Vorbild, eine Porträtgalerie ein. Behutsam setzte Justi, in ständiger Kommunikation mit dem Kaiser dem er sehr nah kam, die Aufnahme modernerer Kunst in die Nationalgalerie durch. Während des Ersten Weltkrieges plante Justi, als Leutnant dem Kriegsministerium zugeordnet, ein riesig dimensioniertes Reichskriegsmuseum. Nach der Revolution von 1918 legte Justi den Sammlungsschwerpunkt auf die deutschen Expressionisten, gegen Widerstände der Konservativen. Daneben richtete er Museen für Rauch und Schinkel ein. Sein wissenschaftliches, schriftstellerisches Wirken war, auch bedingt durch ständige publizistische Fehden, wenig umfangreich, doch substantiell (u. a. Aufsätze über Pisano, Velazquez, Führer zum Bestand der Nationalgalerie sowie die Monographien »Deutsche Malkunst im neunzehnten Jahrhundert«, 1920 und »Hans Thoma«, 1922) Im Juni 1933 wurde Justi beurlaubt und durch Alois Schardt ersetzt, der unter anderem die Porträtsammlung des Hauses zerschlug, aber später selbst abgesetzt wurde, da er Justis Arbeit nicht völlig negierte. (Die Ankäufe Justis bildeten 1937 den Kern der Ausstellung »Entartete Kunst«.) Justi wurde als Kustos in die Bibliothek der Staatlichen Museen versetzt und 1941 pensioniert. 1946 ernannte die Alliierte Kommandantur Justi zum Generaldirektor der nahezu vollständig zerstörten und geplünderten Staatlichen Museen. Er engagierte sich für den Wiederaufbau der Gebäude und die Rückführung von geraubter Kunst aus der Sowjetunion. Er starb kurz nach der Eröffnung der Ausstellung mit den rückgeführten Kunstschätzen der Dresdner Galerie.

Autobiographie: Thomas W. Gaethgens und Kurt Winkler (Hg.), Ludwig Justi, Werden – Wirken – Wissen: Lebenserinnerungen aus fünf Jahrzehnten, Berlin 2000.

Quellen: Autobiographie; NDB Band 10, S. 706 ff; UAHW, Rep. 11, PA 8534 (Justi).

Autor: HE

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