Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Paul Kahle

geboren: 21. Januar 1875 Hohenstein (Ostpreußen)
gestorben: 24. September 1964 Düsseldorf
Konfession: evangelisch
Vater: Gymnasiallehrer

Paul Kahle

Kahle besuchte Schulen in Allenstein, Hohenstein, Tilsit und Danzig. Nach der Reifeprüfung 1894 studierte er Theologie und semitische Sprachen an den Universitäten Marburg und Halle. 1898 wurde er an der Universität Halle zum Dr. phil. promoviert (»Textkritische und lexikalische Bemerkungen zum samaritanischen Pentateuchtargum«). Im selben Jahr legte Kahle in Danzig das erste theologische Examen ab. Seine Studien setzte er in Berlin fort, ein Reisestipendium ermöglichte ihm ein halbjährlichen Aufenthalt in London, Cambridge und Oxford. Von 1899 bis 1901 war Kahle Mitglied des Predigerseminars Wittenberg, 1901 legte er das zweit theologische Examen in Danzig ab. Ein Stipendium der Wormser Lutherstiftung, nutzte er zu einem Forschungsaufenthalt in Berlin. 1902 promovierte er an der Universität Halle zum Lic. theol. mit einer Dissertation zu den verschiedenen Überlieferungsformen des Alten Testaments (»Der masoretische Text des Alten Testaments nach der Überlieferung der babylonischen Juden«). 1902 nahm er eine Stelle als Pfarrer und stellvertretender Leiter der deutschen Schule in Braila (Rumänien) an. 1903 wurde er Pfarrer der deutschen Gemeinde in Kairo. Für den Aufbau einer deutschen Realschule erhielt er 1907 den Kronenorden 4. Klasse. Zugleich forschte er über die neuarabische Volksdichtung. 1909 habilitierte er sich an der Universität Halle für Orientalistik mit einer Arbeit über die Geschichte des arabischen Schattenspiels in Ägypten. Seine Antrittsvorlesung hielt er über die Entstehung des Korans. 1914 erhielt Kahle er einen Ruf an die Universität Gießen. 1923 wurde er an die Universität Bonn berufen, wo er das vernachlässigte Orientalistische Seminar zu einer international renommierten Forschungsstätte ausbaute. Seine zahlreichen ausländischen und jüdischen Schüler unterstützte er auch nach 1933, so dass 1935 ein Ruf nach Berlin wegen »weltanschauliche Gründe« scheiterte. Kahle blieb jedoch Geschäftsführer der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft und organisierte die Orientalistentage von 1936 und 1938. Im November 1938 wurde Kahle vom Dienst suspendiert, da seine Frau einer jüdischen Bekannten nach der sogenannten Reichskristallnacht beim Aufräumen geholfen hatte und denunziert worden war. Im Januar 1939 entlassen, emigrierte Kahle im April mit seiner Familie nach England, wo er in Oxford seine wissenschaftliche Arbeit nicht jedoch seine Editionsprojekte (Masora des Codex Leningradensis) fortsetzen konnte. 1940 entzog ihm die Universität Halle den Doktortitel. 1947 wurde Kahle in Bonn emeritiert, blieb jedoch englischer Staatsbürger. Zwar hielt er Gastvorträge in Bonn und Münster, kehrte aber erst kurz vor seinem Tod nach Deutschland zurück.

Organisationen: Förderndes Mitglied der SS

Quelle: UAHW, Rep. 21, Abt. III Nr. 146; Höpfner, S. 418 f.; www.bautz.de.

Autor: HE

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