Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Max Kauffmann

geboren: 27. August 1871 Brugg (Aargau, Schweiz)
gestorben: 1923 verschollen
Konfession: evangelisch
Vater: Tunnelbauingenieur

Max Kauffmann

Das Abiturexamen legte Kauffmann 1891 in Stuttgart ab. Da er württembergischer Staatsangehöriger war, absolvierte er 1891/92 den Militärdienst als Einjährig Freiwilliger. Danach studierte er Medizin und Philosophie in Göttingen, Halle, Berlin, Straßburg und Heidelberg. Die Approbation erhielt er 1897 in Würzburg, hier promovierte er 1898 an der Universität mit der Dissertation »Über reflektorische Pupillenstarre bei Rückenmarkserkrankungen«. Bis 1900 arbeitete er im Krankenhaus Berlin-Moabit, danach in weiteren Kliniken und Praxen unter anderem als Oberarzt einer Frauenklinik. Jetzt offenbar finanziell sicher gestellt, studierte er Naturwissenschaften, besonders Chemie. Reisen führten ihn nach England, Frankreich, Spanien und Italien. Ende 1904 trat Kauffmann eine Stelle als Assistenzarzt in der psychiatrischen und Nervenklinik der Universität Halle an. 1908 habilitierte er sich mit der Arbeit »Beiträge zur Pathologie des Stoffwechsels bei der progressiven Paralyse« für die Fächer Psychiatrie und Neurologie. Noch im selben Jahr überwarf er sich jedoch mit dem Leiter der Klinik Gabriel Anton und schied aus der Klinik aus. 1909 promovierte Kauffmann an der Universität Halle mit der Dissertation »Über den Nachweis des Cholins«. In seiner Praxis führte er Experimente zur Reduzierung des Körpergewichtes durch Medikamente auf der Basis von Palladium durch. 1912 promovierte er an der Universität Rostock mit einer Schrift über »Das Verschuldungsprinzip im Strafrecht« zum Dr. jur. Kauffmanns Universitätskarriere geriet auch deshalb ins Stocken, weil er in einem Gutachten für das Reichsversicherungsamt einem Leipziger Privatdozent eine nicht unparteiische Urteilsabgabe vorwarf. Von der Medizinischen Fakultät der Universität Halle wurde er für dieses scheinbar unstandesgemäße Verhalten mit einem Verweis bestraft. Kauffmann klagte gegen diesen Verweis, und warf der Fakultät vor, dass sie sich »über die Grenzen ihrer Zuständigkeit im Irrtum zu befinde«. Das Kultusministerium wies die Beschwerde allerdings ab. Zum publizistischen Erfolg wurde jedoch Kauffmanns 1912 veröffentlichte »Psychologie des Verbrechens«. In den Bereich der Sozialmedizin gehört auch seine 1913 publizierte Kampfschrift » Kritik der fanatischen Alkohol-Abstinenz-Bewegung«. Während des Ersten Weltkrieges leitete Kauffmann als Stabsarzt ein Feldlazarett in Frankreich (ausgezeichnet mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse). Das Prädikat Professor erhielt der in der Fakultät offenbar unbeliebte Kauffmann erst im Dezember 1918 auf Bitten des Kurators der Universität beigelegt. 1921 wurde er zum nichtbeamteten außerordentlichen Professor ernannt. Nach dem Krieg wandte sich Kauffmann verstärkt der Psychologie zu. Bei seinen Studien zur Völkerpsychologie nahm er – Wilhelm Wundt und Stanley Hall folgend – an, dass das »Leben« von Völkern dem menschlichen Entwicklungszyklus entsprach. Innovativer waren seine Ideen zum Einsatz von Hypnose und Suggestion, die Gedanken Siegmund Freuds aufgriffen. Obwohl Freud ein Gegner der Hypnose als psychotherapetischem Verfahren war, setzte sich – wie Uwe Wolfhardt und Katja Steudel beschreiben – ausgehend von Kauffmann eine Integration psychoanalytischer Gedanken und Konzepte in der Hypnoseforschung durch. Neben seinem eigentlichen Arbeitsgebiet lagen Veröffentlichungen zu aktuellen Fragen (»Kommunismus und gesunder Menschenverstand« 1922; »Sozialismus und Wirklichkeit« 1923). Kaufmann wurde vermutlich – so weist es seine Personalakte aus – Opfer eines Unglücks in den Bergen.

Quellen: UAHW, Rep. 11, PA 8701 (Kauffmann); Uwe Wolfradt und Katja Steudel, Max Kauffmann – Ein früher Wegbereiter der Hypnose und Suggestionstherapie in Deutschland (Manuskript).

Autor: HE

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