Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Ott-Heinrich Keller

geboren:22. Juni 1906 Frankfurt am Main
gestorben:05. Dezember 1990 Halle
Konfession:evangelisch
Vater:Verlagsbuchhändler

Ott-Heinrich Keller

Ott-Heinrich Keller wurde am 22.06.1906 als Sohn eines Verlagsbuchhändlers und einer Fürsorgerin in Frankfurt am Main geboren. 1914-17 besuchte er die Liebig-Oberrealschule in Frankfurt, 1917-20 die Realschule Idstein und 1920-24 das Wöhler-Real-Gymnasium in Frankfurt. Nach seinem Abitur studierte er Mathematik und Physik, 1924-26 in Frankfurt, 1926 in Wien, 1926-27 in Berlin, 1927-28 in Göttingen und 1928-30 wieder in Frankfurt, wo er 1929 promovierte und 1930 sein Staatsexamen ablegte. Die prägendsten Eindrücke erhielt er nach eigenen Angaben durch die Professoren Dehn, Hellinger, Siegel und Schur. Von 1929-31 war er als Assistent am Mathematischen Seminar der Universität Frankfurt tätig. 1931-39 arbeitete er als Assistent bei Professor Hamel an der TH Berlin. Dort habilitierte er sich 1933 und arbeitete fortan bis 1945 auch als Dozent. Gleichzeitig war er von 1941 bis 1945 Lehrer für Mathematik und Mechanik an der Marienschule Flensburg-Mürwik. 1945/46 arbeitete er als Lehrkraft für Vorkurse an der Universität Kiel. 1946/47 nahm er eine Vertretungsstelle an der Universität Münster wahr. Von 1947 bis 1951 war er ordentlicher Professor an der TH Dresden mit Lehrstuhl für Geometrie und Direktor des Mathematischen Seminars, Abteilung Geometrie. Am 01.11.1951 wurde er zum Professor mit Lehrstuhl für das Fach Mathematik an der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der MLU Halle ernannt. Am 01.09.1969 wurde er ebendort zum ordentlicher Professor für Theoretische Mathematik (Algebra und Geometrie) berufen. Er lehrte in Halle bis zu seiner Emeritierung 1971. Hier setzte er sich für Studierende ein, die aus politischen Gründen verfolgt worden sind.

Er leistete 1934, 1939-40 und 1945 Kriegsdienst bei der Marine-Artillerie, zuletzt mit dem Dienstrang des Obermaats.

1935 heiratete er Hanna, geb. Bahr, und hatte mit ihr zwei Kinder. Er verstarb am 05.12.1990 in Halle.

Organisationen: Von 1935-45 war er Mitglied des NSV, von 1938-45 des NSD. 1947 trat er in den FDGB ein. 1937 wurde im Zusammenhang mit der Verhaftung Niemöllers vorübergehend selbst in Haft genommen. Er war Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig und seit dem 16.12.1958 der Leopoldina. Er wurde mit dem Nationalpreis III. Klasse ausgezeichnet.

Quellen: UA Halle-Wittenberg, Rep.11/PA 27537

Auswahl weiterer Literatur: Pazderski, Gerhard: Erinnerungen an Ott-Heinrich Keller. In Georg-Cantor- Heft. - Halle, Saale: Georg-Cantor-Vereinigung der Freunde und Förderer von Mathematik und Informatik an der Martin-Luther- Universität Halle-Wittenberg, Bd. 8.2006, S. 5-16.

Gerstengarbe, Sybille; Hennig, Horst: Opposition, Widerstand und Verfolgung an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg; Leipzig 2009, S. 442-451 (Kapitel: Der Mathematiker Ott-Heinrich Keller betrauert die Toten von Ägypten und Ungarn)

Sybille Gerstengarbe und Horst Hennig: Opposition, Widerstand und Verfolgung an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg 1945 -1961. Eine Dokumentation. Leipzig 2009, 362ff.

Stengel, Friedemann: Die Theologischen Fakultäten in der DDR als Problem der Kirchen- und Hochschulpolitik des SED-Staates bis zu ihrer Umwandlung in Sektionen 1970/71. Leipzig 1998.

Stengel, Friedemann: Zur Kirchen- und Hochschulpolitik der SED am Beispiel der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in den fünfziger Jahren. In: Vorträge und Abhandlungen zur Wissenschaftsgeschichte 1999/2000, hrsg. von Wieland Berg, Sybille Gerstengarbe, Andreas Kleinert und Benno Parthier. Heidelberg 2000 (Acta Historica Leopoldina 36), 25-61

Bild: UAHW

Autor: AK

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