Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Bild für rechte Spalte: Reitersiegel-Binärcode

Georg Christian Knapp

geboren: 17. September 1753 Glaucha vor Halle
gestorben: 14. Oktober 1825 Halle
Konfession: evangelisch
Vater: Universitätsprofessor, Direktor der Franckeschen Stiftungen

Georg Christian Knapp

Zunächst besuchte Knapp das Pädagogium, dann – besonders um sein Hebräisch zu verbessern – die Lateinische Hauptschule der Franckeschen Stiftungen. Sein Vater erteilte ihm außerdem privaten Unterricht. 1770 bezog er die Universität Halle, einige Semester studierte er an der Universität Göttingen. 1775 habilitierte sich der Magister an der Universität Halle für das Fach Theologie, bereits 1777 wurde er zum außerordentlichen Professor ernannt. 1780 promovierte er zum Lic. theol., 1782 folgte die Ernennung zum ordentlichen Professor. Knapp behandelte in seinen Vorlesungen das Alte und das Neue Testament, außerdem Dogmatik und Kirchengeschichte. Er stand, wie Paul Tschackert in der Allgemeinen Deutschen Biographie schreibt, »einsam mitten unter aufgeklärten und rationalistischen Dozenten als aufrichtiger Vertreter des biblisch-praktischen Christentums«. Seine durchaus gelehrten und systematisch aufgebauten Vorlesungen wurden daher vor allem von den Studenten geschätzt, die ein Pfarramt anstrebten (»Vorlesungen über die christliche Glaubenslehre nach dem Lehrbegriff der evangelischen Kirche«, 2 Bände, 1827; 2. Auflage 1836). Knapps pietistisches Haltung spiegeln zwei Traktate wieder: »Was soll ich tun, dass ich selig werde?« (1806); »Anleitung zu einem gottseligen Leben nach christlichen Grundsätzen« (1811). Sein Hauptwerk waren die Edition des Neuen Testaments in Griechisch, das er mit einer Einleitung in Latein versah (»Novum Testamentum Graece«, 1797, 2. Auflage 1824) und eine kommentierte Übersetzung der Psalmen (1777, 3. Auflage 1824). Außerdem veröffentlichte er biographische Skizzen u. a. über August Hermann Francke, Jacob Spener und Johann Anastasius Freylinghausen.
Größere Anerkennung genoss Knapp als Verwalter des Franckeschen Erbes. 1785 wurde Knapp zum Kondirektor der Franckeschen Stiftungen ernannt. 1799 folgte die Ernennung, gemeinsam mit August Hermann Niemeyer zum Direktor der Stiftungen. Als Mitdirektor ließ Knapp dem ehrgeizigeren und umtriebigeren Niemeyer in allen öffentlichen Angelegenheiten den Vortritt. Er sei jedoch ein »kollegialer« und auch »umsichtiger« Mitstreiter gewesen, wie Helmut Obst und Paul Raabe in ihrer Geschichte der Franckeschen Stiftungen schreiben. Als besonders wichtig galt Knapp dabei die Förderung der Ostindischen Mission, u. a. gab er die »Missionsnachrichten« heraus. Aber auch in der Zeit der Deportation Niemeyers leitete er die Stiftungen mit Bedacht. Ausgezeichnet wurde Knapp u. a. mit dem Roten Adler-Orden 2. Klasse mit Eichenlaub.

Quellen: ADB im www.; Helmut Obst, Paul Raabe, Die Franckeschen Stiftungen zu Halle (Saale), Halle 2000, S. 114; Wilhelm Fries, Die Franckeschen Stiftungen in ihrem zweiten Jahrhundert, Halle 1898, S. 117–122.

Autor: HE

Zum Seitenanfang