Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Friedrich Kruse

geboren: 21. Juli 1790 Oldenburg
gestorben: 23. August 1866 Gohlis bei Leipzig
Konfession: evangelisch-lutherisch
Vater: Prinzenerzieher, später Universitätsprofessor

Friedrich Kruse

Kruse besuchte das Gymnasium Oldenburg, die Thomasschule in Leipzig und wieder das Oldenburger Gymnasium. An der Universität Leipzig studierte er zunächst Theologie, dann Geschichte, Philosophie, Philologie und Rechtswissenschaft. 1813 promovierte er an der Universität Leipzig zum Dr. phil. Danach war er als Lehrer an der Ritterakademie in Liegnitz und am Magdalenengymnasium Breslau tätig. 1818 veröffentlichte er eine erweiterte Fassung seiner Dissertation »Über Herodots Ausmessung des Pontus Euxinus, des Bosporus Thracius, Hellespontus und des Propontis sowie der Schiffsbrücken, welche Europa und Asien verbanden«. Wenig später erschien Kruses Abhandlung »Budorgis oder das alte Schlesien vor Einführung der christlichen Religion« (1819). 1821 wurde er an die Universität Halle auf den Lehrstuhl für Alte und Mittlere Geschichte berufen. Hier gab Kruse ab 1824 die Zeitschrift »Archiv für alte und mittlere Geschichte, Geographie und Alterthümer, insonderheit der germanischen Volksstämme« heraus und verfasste das anerkannte Werk »Hellas oder geographisch-antiquarische Darstellung des alten Griechenland und seiner Kolonien« (3 Bände, 1825 bis 1827). 1828 nahm er den Ruf der Russischen Regierung an die Universität Dorpat auf den Lehrstuhl für Welt- und russische Geschichte. Im Baltikum initiierte er »historisch-antiquarische Gesellschaften« (Dorpat, Riga, Reval) und verfasste mehrere Monographien zur Geschichte des Ostseeraums (»Anastasis der Waräger«, 1841; Necrolivonia oder Alterthümer Liv-, Esth- und Kurlands«, 1842; »Bemerkungen über die Ostseegouvernements«, 1842). Außerdem publizierte er – teils in russisch – über die Geschichte des Zarenreiches (»Russische Alterthümer«, 1844; »Genealogische Tabellen zur Geschichte Russlands«, 1845 f.), kehrte jedoch zur frühen und mittelalterlichen Geschichte des Ostseeraumes zurück. Kruse initiierte umfangreiche archäologische Grabungen im Dünagebiet und publizierte die Ergebnisse in den Studien »Urgeschichte des esthnischen Volksstammes und der kaiserlich russischen Ostseeprovinzen« (1846) sowie »Chronicon Nortmannorum, Waragio-Russorum nec non Danorum, Sveonum, Norvegorum« (1851). Der 1841 geeadelte und zum Staatsrat ernannte gab 1853 – im Zuge der forcierten Russifizierung der Universität Dorpat –den Lehrstuhl auf und ließ sich in Leipzig nieder. Hier edierte er das »Tagebuch des Reisenden Ulrich Jasper Seetzen« (1854 f.) und verfasste einen »Allgemeinen biographisch-historischen Festkalender für Gebildete und Gelehrte« (1864). Ein gehässiges zeitgenössisches Urteil sprach Kruse die Fähigkeit zur Vermittlung seiner »ungeheuren Belesenheit« ab, anerkannte jedoch seine Verdienste um die Archäologie. Zudem sei Kruse »fleißig wie ein ganzer Ameisenhaufen« gewesen, insgesamt ein »Galeerensklave der Wissenschaft«.

Quellen: Weber, Biographisches Lexikon zur Geschichtswissenschaft, S. 328 f.; ADB im www. (Band 17, 263f.), Hugo Semel, Die Universität Dorpat (1802–1918), S. 111 f.

Autor: HE

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