Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Hermann Kuckuck

geboren: 7. September 1903 Berlin
gestorben: 22. Dezember 1992 Großburgwedel bei Hannover
Konfession: evangelisch
Vater: Oberbaurat

Hermann Kuckuck

Kuckuck besuchte das Kaiserin-Augusta-Gymnasium in Charlottenburg. Nach einer Landwirtschaftslehre in Ostpreußen studierte er ab 1925 an der Landwirtschaftlichen Hochschule Berlin. 1929 promovierte er mit einer Dissertation über die Züchtung von Wintertypen der Gerste zum Dr. agr. Sein Mentor Erwin Baur holte ihn an das Kaiser-Wilhelm-Institut für Züchtungsforschung nach Müncheberg, zunächst als Assistent, später als Abteilungsleiter. 1934 veröffentlichte er das populäre Buch »Von der Wildpflanze zur Kulturpflanze: Die Bedeutung der natürlichen und künstlichen Zuchtwahl für die Entstehung neuer Pflanzenrassen« (2. Auflage 1943). Wegen »marxistischer, liberalistischer und pazifistischer Einstellung« wurde Kuckuck unter dem Vorwand der »Störung des Betriebsfriedens« und »Verhetzung der Gefolgschaft« 1936 entlassen. Danach war er als Saatzuchtleiter bei der Fa. August Haubner in Eisleben tätig und veröffentlichte 1939 das Lehrbuch »Grundzüge der Pflanzenzüchtung«, das zum internationalen Standardwerk wurde (6. Auflage gemeinsam mit G. Kobabe und G. Wenzel 1991). Außerdem erschien seine populäre Schrift »Pflanzenzüchtung« (2. Auflage 1944 unter dem Titel »Von der Wildpflanze zur Kulturpflanze«). 1940 übernahm Kuckuck eine Stelle als Saatzuchtleiter in der Ostpreußischen Saatzuchtgesellschaft »Nordost« und habilitierte sich 1942 an der Universität Berlin. Der Antrag der naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Königsberg auf Verleihung einer Dozentur für angewandte Genetik wird vom Wissenschaftsministerium abgelehnt. Auf Grund einer Nierenerkrankung leistete Kuckuck keinen Kriegsdienst, wurde aber im Januar 1945 zum Volkssturm eingezogen. Noch im Februar 1945 floh er nach Eisleben und bemühte sich an der Universität Halle um die Venia legendi, was ihm auf Grund seiner beeindruckenden wissenschaftlichen Leistungen ohne Umschweife zugesagt wurde. Seit Juni 1945 arbeitete Kuckuck erneut als Saatzuchtleiter bei der Fa. August Haubner, im Oktober 1945 wurde er an der Universität Halle habilitiert. Nach der Ablehnung eines Rufes nach Jena, folgte zum 1. Juni 1946 die Ernennung zum ordentlichen Professor und Direktor des Instituts für Pflanzenzüchtung. 1948 übernahm er die Leitung der Zentralforschungsanstalt in Müncheberg und eine ordentliche Professur an der Humboldt-Universität Berlin. 1950 ging Kuckuck als Gastwissenschaftler nach Schweden und kehrte nicht mehr in die DDR zurück. Vorausgegangen war ein heftiges Zerwürfnis mit der SED, die sich zu den Lehren des sowjetischen Pflanzenzüchters Trofim D. Lyssenko bekannte. Kuckuck wies dessen Irrtümer von der Vererbbarkeit erworbener Eigenschaften zurück (»Entwicklung und Probleme neuzeitlicher Pflanzenzüchtung: Mendel oder Lyssenko«, 1951 veröffentlicht in Westberlin). Ab 1952 arbeitete im Auftrag der Food and Agricultural Organisation als Experte für Getreidezüchtung im Iran. 1954 folgte er einem Ruf auf ein Ordinariat an der TH Hannover. Das Institut für gärtnerische Pflanzenzüchtung baute er zu einem Institut für angewandte Genetik aus. 1969 wurde Kuckuck emeritiert, danach war er beim Aufbau einer Genbank in Braunschweig-Völkenrode beratend tätig.

Organisationen: 1934–1945 NSV, 1935–1940 DAF, 1934–1935 Förderndes Mitglied der SS; 1945 SPD, überführt in die SED.

Autobiographie: »Wandel und Beständigkeit im Leben eines Pflanzenzüchters« (1988)

Quellen: UAHW, Rep. 11, PA 9572 (Kuckuck); Böhm, Pflanzenbau, S. 171 f.; Gerber, Persönlichkeiten, S. 406 f.; Autobiographie.

Autor: HE

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