Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Wilhelm Kunitz

geboren: 2. Juni 1894 Halle-Giebichenstein
gestorben: 27. Juni 1983 Aachen
Konfession: evangelisch
Vater: Pfarrer

Wilhelm Kunitz

Kunitz besuchte Schulen in Giebichenstein und Halle, 1913 legte er die Reifeprüfung ab. Er studierte Mathematik und Naturwissenschaften an den Universitäten Marburg und Halle, 1914 meldete er sich als Kriegsfreiwilliger. An West- und Ostfront eingesetzt, wurde er zum Offizier befördert. 1918 erkrankte er an Gehirngrippe. Von 1919 bis 1921 diente er als Zeitfreiwilliger in der Einwohnerwehr Halle und nahm an den Kämpfen in Mitteldeutschland teil. Zugleich setzte er das Studium der Mineralogie und Chemie fort. 1920 legte er das Chemikerverbandsexamen ab, 1922 promovierte er mit einer mineralogischen Arbeit zum Dr. sc. nat. 1922/23 war er als Chemiker in einer Fabrik in Ammendorf bei Halle, dann in einem Bergwerksbetrieb in Sondershausen tätig. Von 1923 bis 1926 war er planmäßiger Assistent am Chemischen Institut der Bergakademie Clausthal, 1926/27 Volontärassistent am Mineralogischen Institut Halle. Von 1927 bis 1935 hatte er hier eine planmäßige Assistentenstelle inne. 1930 habilitierte er sich für Mineralogie und Petrographie. Die Assistentenstelle wurde nicht verlängert, auch den Professorentitel erhielt Kunitz nicht, da er 1934 die Ermordung der SA-Führung nicht guthieß und darüber hinaus als »Sonderling« galt. 1937 wurde Kunitz ein Forschungsauftrag erteilt, Rektor Weigelt und Gaudozentenführer Wagner verhinderten jedoch die weitere Lehrtätigkeit. Nach Absolvierung von Übungen wurde Kunitz 1938 als Oberleutnant der Reserve in die neue Reichswehr übernommen. 1939 eingezogen, lehrte er Sprengstoffkunde an der Feuerwerkerschule des Heeres, 1940 war er Batterieführer in Frankreich und wurde zum Hauptmann befördert. Nach einem Unfall schwerbeschädigt, lehrte er als Dozent an der Waffentechnischen Schule des Heeres, 1943 wurde er zu einer Artillerieeinheit in die Ägäis strafversetzt und 1944 zur Reichsbahn kommandiert. 1945 nach der Entlassung aus politischen Gründen war Kunitz in der Landwirtschaft tätig. 1946/47 bearbeitete er einen Forschungsauftrag des Bauministeriums der UdSSR, 1948/49 war er Mitarbeiter der SMA. 1949 erhielt er einen Forschungsauftrag der Landesregierung Sachsen-Anhalt. 1958 siedelte er nach Westdeutschland über und wurde 1961 mit den Bezügen eines außerplanmäßigen Professors pensioniert.

Organisationen: 1924 bis 1927 Stahlhelm, im April 1933 Eintritt in die NSDAP (Mitglied Nr. 1 835 253), tätig 1933/34 als politischer Leiter (Blockwart und Schulungswart), ab Januar 1935 NSV. 1934 wegen Kritik an der Ermordung Ernst Röhms gemaßregelt und aus den Parteifunktionen entlassen. 1943 Blockwart, gemaßregelt, Entzug des Amtes.

Quellen: UAHW, Rep. 11, PA 9693 (Kunitz); UAHW, Rep. 6, Nr. 1407; Auskunft der RWTH Aachen.

Autor: HE

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