Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Ernst Laqueur

geboren: 7. August 1880 Obernigk (Kreis Trebnitz, Schlesien)
gestorben: 19. August 1947 Oberwald (Kanton Wallis, Schweiz)
Konfession: evangelisch
Vater: Kaufmann

Ernst Laqueur

Die Abiturprüfung legte Laqueur 1898 am Magdalenengymnasium in Breslau ab. Er studierte Chemie und Medizin an den Universitäten Breslau und Heidelberg. 1904 bestand er das medizinische Staatsexamen und erhielt Approbation. Danach arbeitete Laqueur im physiologischen Institut der Universität Breslau, danach in Heidelberg am physiologischen und pharmakologischen Institut. 1905 promovierte er an der Universität Breslau mit der Dissertation »Über das Kasein als Säure und seine Unterschiede gegen das durch Lab veränderte Parakasein« zum Dr. med. Von 1906 bis 1910 war Laqueur Zweiter Assistent am Physiologischen Institut der Universität Königsberg und habilitierte sich 1907 für das Fach Physiologie. Im Sommersemester 1907 wurde er Assistent am anatomischen Institut Universität Halle (bei Wilhelm Roux). 1910 habilitierte er sich an die Universität Halle um. Hier forschte Laqueur vor allem über »Fermente« (Hormone) und Eiweißkörper sowie zur Entwicklungsmechanik (Postgeneration). Mit der Berufung Emil Abderhaldens (1911) schränkten sich Laqueurs Freiräume in Forschung und Lehre ein. Abderhalden nahm Laqueurs bei einer erregten Auseinandersetzung ausgesprochene Kündigung sofort an, zunächst wurde dieser jedoch vom Preußischen Staat nicht entlassen. 1912 wechselte Laqueur an die Universität Groningen und erhielt dort 1913 eine Lektorenstelle für das Fach Physiologie. Nach dem Beginn des Ersten Weltkrieges kehrte Laqueur nach Deutschland zurück und meldete sich freiwillig zum Kriegsdienst als Arzt. Ab 1916 war er Ausbilder an der Heeresgas-Schule in Berlin, nach dem Krieg veröffentlichte er eine umfangreiche Studie über »Kampfgasvergiftungen« (gemeinsam mit R. Magnus, 5 Teile, in: Zeitschrift für experimentelle Medizin 1920/21). 1917 nahm Laqueur den Ruf auf eine Professur für Pharmakologie und Physiologie an der Universität Gent im besetzten Belgien an. Mit Kriegsende entlassen, erhielt er 1920 eine Professur für Pharmakologie an der Universität Amsterdam.
Laqueur entdeckte das weibliche Hormon Östrogen (1925/26) und isolierte aus Stierhoden Testosteron (1935), dem er auch den Namen gab. Außerdem lieferte er substantielle Beiträge zur Kenntnis weiterer Hormone.
1923 gehörte Laqueur zu den Gründern des Pharmazeutischen Betriebes »Organon«, der zunächst vor allem Insulin produzierte. Nach der Besetzung der Niederlande durch deutsche Truppen wurde Laqueur wegen seiner jüdischen Herkunft als Universitätsprofessor entlassen. Seine Aktien musste er an deutsche Treuhänder entlassen. Zunächst wurde Laqueur jedoch nicht in ein Konzentrationslager verbracht. 1944 war er zur Deportation – und Ermordung – vorgesehen, der für Deutschland ungünstige Kriegsverlauf rettete sein Leben.

Bemerkung: Seit 1975 verleiht die Firma »Organon« die Ernst-Laqueur-Medaille für hervorragende Forschungen zur Physiologie und Pathologie der menschlichen Fortpflanzung.

Quellen: UAHW, Rep. 11, PA 9892 (E. Laqueur); Leopoldina-Archiv MM 3781 (E. Laqueur); Isidor Fischer, 1962, S. 867; Maria Goudsblom-Oestreicher, Eberhard Roy Wiehn (Hrsg.), Felix Hermann Oestreicher, Ein jüdischer Arztkalender: Durch Westerbork und Bergen-Belsen nach Tröbitz, Konzentrationslagertagebuch 1943–45, Konstanz 2000.

Autor: HE

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