Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Hermann Lindrath

geboren: 29. Juni 1896 Eisleben
gestorben: 27. Februar 1960 Mannheim
Konfession: evangelisch
Vater: Fleischermeister

Hermann Lindrath

Das Reifezeugnis erwarb Lindrath 1914 in Eisleben. In den Ersten Weltkrieg zog er als Kriegsfreiwilliger. Befördert zum Unteroffizier, wurde er mit dem Eisernen Kreuz I. und II. Klasse ausgezeichnet. 1916 geriet er in französische Kriegsgefangenschaft, aus der er erst 1920 zurückkehrte. Von 1920 bis 1922 studierte er Rechts- und Staatswissenschaften an der Universität Halle und absolvierte eine Lehre zum Bankkaufmann. 1923 promovierte er zum Dr. rer. pol. mit der Arbeit »Die bergrechtliche Gewerkschaft und Aktiengesellschaft als Unternehmensform im Bergbau«. Danach war er als Devisen- und Effektenhändler in einer Privatbank tätig. 1926 wechselte er zur Stadtbank, dann in die Kommunalverwaltung. Nach der Reorganisation der Versorgungs- und Verkehrsbetriebe baute Lindrath eine städtische Buch- und Betriebsprüfstelle auf, 1930 übernahm er die Leitung der städtischen Steuerverwaltung. Lindrath war der eigentliche Gründer der Stadtwerke und muss als Sanierer der städtischen Finanzen während der Weltwirtschaftskrise gelten. Während des Krieges war er Stadtkämmerer und Leiter des Treuhandamtes der Stadt. 1945 wurde er in den Ruhestand versetzt. Nebenamtlich war Lindrath von 1925 bis 1932 Dozent an der hallischen Handelsfachschule, ab 1929 Dozent der Verwaltungsschule und Verwaltungsakademie Halle, ab April 1933 beauftragter Dozent für Revisionswesen an der Universität Halle. 1940 wurde der Lehrauftrag auf Finanzrecht und Buchführung erweitert. 1945 entzog ihm die Universität den Lehrauftrag. Als der Lehrauftrag 1946 erneuert werden sollte, lehnte Lindrath ab. Ministerpräsident Erhard Hübener versuchte Lindrath eine Professorenstelle zu verschaffen, was jedoch daran scheiterte, dass Lindrath mehrfach von der sowjetischen Polizei verhaftet wurde. Der inzwischen als freiberuflicher Buchprüfer tätige floh 1951 in die Bundesrepublik und trat eine Stelle als Prokurist bei den Heidelberger Portland-Zementwerken an. 1953 wurde er im Wahlkreis Mannheim-Land in den Bundestag gewählt, den Wahlkreis verteidigte er 1957. Ab 1956 war er Mitglied des Bundesvorstandes der CDU. Als Mitglied des Ausschusses für Finanz- und Steuerfragen ausgewiesen, erwies sich Lindrath 1957 – durch personelle Querelen in der CDU/CSU-Fraktion begünstigt – als einzig durchsetzbarer Kandidat für den Chefposten im neu geschaffenen Bundesministerium für den wirtschaftlichen Besitz des Bundes (»Bundesschatzministerium«). Lindrath legte den Schwerpunkt seiner Arbeit auf die Berlin-Förderung und die Privatisierung staatlicher Unternehmen durch sogenannte Volksaktien (Preussag, Volkswagen).

Organisationen: 1928 bis 1933 Deutsche Volkspartei, 1933 Stahlhelm, 1934 Überführung in SA, 1937 Aufnahme in die NSDAP, 1945 CDU

Quelle: UAHW, Rep. 11, PA 10154 (Lindrath); UAHW, Rep. 6, Nr. 1407; Udo Kempf, Hans-Georg Merz (Hrsg.), Kanzler und Minister 1949–1998; Opladen 2001, S. 443–447; Hinweise von Daniel Bohse.

Autor: HE

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