Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Edgar Loening

geboren: 14. Juni 1843 Paris
gestorben: 19. Februar 1919 Halle
Konfession: jüdisch, 1847 evangelisch getauft
Vater: Verleger

Edgar Loening

Loening besuchte Gymnasien in Frankfurt am Main und Bonn, wo er 1862 die Reifeprüfung ablegte. Er studierte an den Universitäten Bonn und Heidelberg Rechtswissenschaft (vor allem beim Rechtshistoriker Johann Kaspar Bluntschli) und Philosophie sowie Geschichte (u. a. bei Heinrich von Sybel). Folgerichtig promovierte er zum Dr. phil. (Bonn 1865) und Dr. jur. (Leipzig 1869). In seiner philosophischen Dissertation »De pace domestica« wertete er ein breites Spektrum von Quellen des römischen und deutschen Rechts aus und untersuchte das Problem des Hausfriedens unter verschiedenen Aspekten. Seine Habilitationsschrift »Die Erbverbrüderungen zwischen den Häusern Sachsen und Hessen und Sachsen, Brandenburg und Hessen (Heidelberg 1867) behandelte die Geschichte der verschiedenen Erbverträge der fürstlichen Häuser, erörterte aber in erster Linie ihre Geltung unter gegenwärtigen Bedingungen. Von 1870 bis 1872 war er in der Verwaltung von Elsaß und Lothringen beim Regierungspräsidium Elsaß tätig (ausgezeichnet mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse am weißen Bande). 1872 erhielt er ein besoldetes Extraordinariat an der Universität Straßburg. Von 1877 bis 1883 wirkte er als ordentlicher Professor der Rechte an der Universität Dorpat. 1878 veröffentlichte Loening eine 2-bändige Geschichte des frühmittelalterlichen Kirchenrechts (»Das Kirchenrecht in Gallien von Constantin bis Chlodowech«, »Das Kirchenrecht im Reiche der Merowinger«), 1880 ein Buch zum Thema »Die Befreiung des Bauernstandes in Deutschland und Livland«. 1883 erhielt er einen Ruf auf ein Ordinariat an der Universität Rostock. 1886 nahm Loening den Ruf auf eine ordentliche Professur für Staats-, Verwaltungs-, Völker- und Kirchenrecht an der Universität Halle an. Hier trug er zur Profilierung des noch jungen Verwaltungsrechts bei und widmete sich staatsrechtlichen Fragen. So veröffentlichte er 1899 eine Untersuchung über die »Heilung notorischer Missheiraten«, die er im Auftrag des Vereins der deutschen Standesherren abgefasst hatte. In dem Buch erörterte er die Genese der rechtlichen Grundlagen für die Ehen zwischen Adligen und bürgerlich geborenen Frauen und prüfte die Frage der Geltung der alten Hausrechte unter den neuen Bedingungen des Bürgerlichen Gesetzbuches. 1903 entstand eine Studie zum völkerrechtlich bedeutsamen Thema der »Gerichtsbarkeit über fremde Staaten und Souveräne«. Auch zahlreiche Vorträge zum Verhältnis Staat-Kirche und zur Reichsverfassung wurden in teilweise hohen Auflagen gedruckt. Für die Kaiserlich-russische Staatsregierung fertigte er ein Gutachten zur Neugestaltung der Universitäten an. Loenings Alterwerk war eine Darstellung der preußischen Rechts- und Verfassungsgeschichte (Gerichte und Verwaltungsbehörden in Brandenburg-Preussen« 1914). Bleibende Verdienste erwarb sich Loening auch als Mitherausgeber des Handwörterbuchs der Staatswissenschaften (gemeinsam mit Johannes Conrad). 1899/1900 war Loening Rektor der Universität, gemeinsam mit seinem Freund Conrad initierte er den Umbau der Juristischen Fakultät zur Rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät. 1901 wurde Loening zum Vertreter der Universität im Preußischen Herrenhaus berufen. Der hochdekorierte Geheime Justizrat (Stern zum Kronenorden 2. Klasse, Komtur 2. Klasse des Hausordens Albrecht des Bären, Roter Adlerorden 2. Klasse, Dr. h. c. der Theologischen Fakultät der Universität Halle, Ehrenmitglied der Universität Kiew, Russischer St. Stanislaus Orden 2. Klasse mit Stern) starb an den Folgen eines Unfalls.

Organisationen: Nationalliberale Partei

Bemerkung: Der Vater Carl Friedrich Loening wurde als Zacharias Löwenthal geboren und änderte seinen Namen und den des Sohnes 1847. Carl Friedrich Loening war Verleger von Karl Marx und Friedrich Engels (»Die heilige Familie«, 1845) und Heinrich Hoffmanns (»Der Struwelpeter«, 1845). Der Verlag Rütten und Loening wurde in den 1940-er Jahren enteignet, Nachfahren Carl Friedrich Loenings starben im Konzentrationslager.

Quellen: Mühlpfordt/Schenk, Spirituskreis; UAHW, Rep. 11, PA 10218 (E. Loening); Jelowik, Tradition und Fortschritt, S. 119f.

Autor: HE

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