Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Bild für rechte Spalte: Reitersiegel-Binärcode

Bernd Lueken

geboren: 8. August 1908 Rüstringen (bei Wilhelmshaven, Oldenburg)
gestorben: 10. September 1978 Berlin-Buch
Konfession: evangelisch-lutherisch
Vater: Kommunaljurist

Bernd Lueken

Nach dem Besuch der humanistischen Gymnasien in Wilhelmshaven und Kiel (Reifeprüfung 1927) studierte Lueken Medizin an den Universitäten Bonn, München, Wien und Kiel. 1932 legte er das Staatsexamen ab. Danach absolvierte er verschiedene Praktika und promovierte 1934 an der Universität Kiel mit einer Dissertation über die Harnsäureausscheidung des Frosches zum Dr. med. Im selben Jahr trat er eine Assistentenstelle bei Wilhelm Trendelenburg am Physiologischen Institut der Universität Berlin an. Dort untersuchte Lueken mit einer Arbeitsgruppe Probleme der Erregbarkeit der Herzmuskulatur, eigene Forschungen galten der Reflexphysiologie des Froschrückenmarks. 1938 habilitierte er sich mit der Studie »Reflektorische Funktionen einiger völlig abgetrennter Rückenmarksegmente« und wurde zum Dozenten der Universität Berlin ernannt. Jetzt wandte sich Lueken verstärkt der Untersuchung der Neurophysiologie des Atemzentrums zu. Auf Grund einer Mißbildung der Füße leiste Lueken keinen Kriegsdienst, war aber als Luftschutzwart eingesetzt. Nach dem Tod Trendelenburgs wurde er kommissarischer Direktor des Instituts und im Januar 1945 zum außerplanmäßigen Professor ernannt. Nach der Wiedereröffnung der Berliner Universität erhielt er den Status als Professor mit Lehrauftrag. Im Mai 1946 nahm Lueken den Ruf auf den vakanten Lehrstuhl Emil Abderhaldens an der Universität Halle an. Da die physiologisch-chemische Arbeitsrichtung durch Horst Hanson weitergeführt wurde, profilierte Lueken sein Institut neu. Im Mittelpunkt seiner Arbeiten stand die Regulation vegetativer Funktionen, speziell der Herztätigkeit (»Neorophysiologie der Herzregulation«, 1964). Zugleich baute er eine leistungsfähige Werkstatt auf, um den Bedarf an modernen Reiz- und Messgeräten selbst decken zu können. Nach der Emeritierung (1973) widmete sich Lueken vor allem wissenschaftstheoretischen Arbeiten. Da es Lueken ablehnte, als Mitautor der wissenschaftlichen Arbeiten aus seinem Institut in Erscheinung zu treten, erscheint seine Publikationsliste in der Rückschau vergleichsweise kurz. Prägend wurden jedoch seine Anleitungen für das physiologische Praktikum (1953, erweiterte Ausgabe in zwei Bänden 1970), aus seiner Experimentalvorlesung entstand das anerkannte Lehrbuch »Physiologie« (1949).
1957 wurde Lueken zum Mitglied der Leopoldina gewählt, 1968 wurde er Obmann ihrer Sektion für Physiologie. Außerdem gehörte er der Sächsischen Akademie der Wissenschaften und der Akademie der Wissenschaften der DDR an. Ab 1966 war er Vizepräsident der Gesellschaft für experimentelle Medizin in der DDR. Die Deutsche Physiologische Gesellschaft wählte ihn zum Ehrenmitglied. 1973 wurde er mit einer Festschrift geehrt (herausgegeben von Kurt Mothes und Joachim-Hermann Scharf).
Nicht unerwähnt bleiben darf, dass sich Lueken stark kirchlich engagierte. Er war langjähriges Mitglied des Gemeindekirchenrates von St. Bartholomäus und St. Paulus und der Kreissynode in Halle. Ab 1948 gehörte er der Evangelischen Forschungsakademie an und wirkte ab 1952 in ihrem Kuratorium. In der Evangelischen Studentengemeinde war er ein gern gesehener, oft vortragender Gast. Wegen seiner vielfältigen philosophischen Interessen wurde Lueken in den – klassisch geisteswissenschaftlich orientierten – »Spiritus-Kreises« gewählt. Wie auch andere Professoren geriet er daher ins Visier des Staatssicherheitsdienstes. Für ihn persönlich schien dies keine Konsequenzen zu haben, seine Schüler wurden jedoch nur sehr langsam befördert, manche erreichten trotz ihrer unbestrittenen Qualifikation keine befriedigende Akademische Position.
Lueken starb an einem Krebsleiden.

Organisationen:

Bemerkung: Luekens Vater war ab 1919 Oberbürgermeister der Stadt Kiel, 1933 wurde er seines Amtes enthoben und fand eine Anstellung bei der Commerzbank

Quellen: Auskunft aus Leopoldina-Archiv MM 4924 (Lueken); Auskunft aus UAHW, Rep. 11, PA 24425 (Lueken).

Autor: HE

Zum Seitenanfang